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Die Chronik der TAXI-MÜNCHEN eG

Entstehung und Entwicklung der größten Taxigenossenschaft Europas von den Jahren 1900 bis 1991. Zusammengefasst in einzelne Abschnitte und Epochen.

Die Texte wurden teilweise aus der Festschrift „75 Jahre Taxi München eG“ mit freundlicher Genehmigung der Heinrich Vogel Fachzeitschriften GmbH, Aschauer Str. 30, in 81549 München, übernommen.

Wir weisen Sie freundlich darauf hin, dass der Nachdruck und die Vervielfältigung, auch in Auszügen, nicht ohne Genehmigung der Rechteinhaber gestattet sind.


1734 - 1917 Die Vorgeschichte

1734 - 1917 Die Vorgeschichte

Taxibetrieb 1906

Nach einer Verfügung aus dem Jahr 1734 erlaubte der Magistrat der Kurfürstlichen Haupt- und Residenzstadt München, dass jeder Lohnrössler unbegrenzt Pferde und Gefährte halten könne. Dagegen durften sich auswärtige Kutscher nur einen Tag lang in München aufhalten, ein längerer Einsatz war meldepflichtig. Die Gewerbeordnung erlaubte den hiesigen Kutschern die fremden Kollegen aus der Stadt zu vertreiben, sollten Verstöße gegen die Meldepflicht vorliegen. Daraufhin organisierten sich die Lohnkutscher und gründeten im Jahr 1734 die „Ehrbare Zünfft der Lechenrössler“, eine Vorgängerorganisation der heutigen Taxi-München eG. Die Genossen unterstützten sich gegenseitig. Brauchte ein Lechenrössler mehr Pferde als vorhanden, konnte er diese von einem Kollegen ausleihen. Der Einsatz von nicht bei der Zunft registrierter Pferde wurde dagegen hart bestraft, mit einer Geldbuße von 30 Kreuzern. Die ersten Protokolle der Zunft beschäftigten sich hauptsächlich mit der Aufnahme neuer Genossen und deren Bezahlung einer Aufnahmegebühr in Höhe von 4 Gulden. Die Zunftsgerechtigkeit, also die Mitgliedschaft, konnte nur vererbt, einem ausscheidenden Kutschunternehmer abgekauft oder durch Heirat mit einem Lohnkutscher erworben werden. Von Beginn an gab es Strafen für unentschuldigtes Fernbleiben von Zunftversammlungen, später auch für verspätetes Erscheinen. Am 12. September 1734 verhängte der Vorstand deswegen eine Strafe in Höhe von 12 Kreuzer gegen ein Mitglied, die auch mit einem halben Pfund Wachs abgegolten werden konnte.

In München wurde 1749 der „Krankenunterstützungs- und Sterbeverein der Lohnkutschergehilfen“ von Zunftgenossen gegründet. Am 9. Februar 1804 trat die erste Fiakre-Ordnung in Kraft, die der Münchner Magistrat von der Stadt Salzburg abschrieb. Dort war unter anderem nachzulesen: „Der den Fiakre führt, soll des Fahrens wohl kundig, nüchtern, mannbar und anständigen Betragens seyn.“ Und weiter: „Der Fiakre, der auf dem Sammelplatz auf Wart steht, darf nie sagen: Dass er bestellt sey, sondern er muß mit dem ersten fahren, der ihn dingt, wenn es auch nur eine Persone wäre.“ Die zuletzt genannte Vorschrift galt also schon beim ersten Oktoberfest im Jahr 1810.

Mit Änderung der Verordnung am 19. Januar 1824 durften nur noch Fahrten im Umkreis von drei Poststunden durchgeführt werden. Für Droschkenbeleuchtung konnten 3 Kreuzer pro Viertelstunde zusätzlich erhoben werden. 60 Kreuzer waren 1 Gulden, der gemessen an der Kaufkraft heute etwa 1 Euro wert wäre. 1845 gab es 39 Zunftmitglieder. Im selben Jahr bescheinigte der Bürgermeister Steinsdorf dem Münchner Lohnkutschereigewerbe und besonders der Kutscherei des Franz-Xaver Krenkl treffliche Organisation und hervorragende Leistungsfähigkeit. 1854 wurden die Vorstädte Haidhausen, Au und Giesing eingemeindet. München hatte damit etwa 95.000 Einwohner. Ab 1856 bekam die Lohnkutscherwitwe Kunz über 15 Jahre Unterstützungsleistungen von der Zunft. Der Droschkenunternehmer und Zunftgenosse Michael Zechmeister eröffnete 1861 ein Omnibusunternehmen, was zu erheblichem Streit unter den Mitgliedern führte. Die Pferdebusse verkehrten auf drei Linien und wurden von den Einheimischen auch „Groschenwagen“ genannt, nach dem Preis für eine einzelne Fahrt. Im Jahr 1864 gab es 85 Genossen mit über 200 Pferden. Zusammenhalt gab es im Falle des Fiaker-Inspektor Seuffert. Die Mitglieder beschlossen in der Versammlung vom 9. Januar 1867 alles zu unternehmen, um den wegen Bestechung ins Visier geratenen Inspektor von seinem Posten zu entfernen. Ab 1870 wurde die Innung in Form einer Genossenschaft fortgeführt. Die erste Generalversammlung der „Genossenschaft der hiesigen Lohnkutscher und öffentlichen Fuhrwerksbesitzer“ fand am 16. Januar 1870 statt. München hatte etwa 200.000 Einwohner. Viereinhalb Jahre später wurde mit Beschluss vom 22. August 1874 der Name der Genossenschaft wieder geändert. Die Mitgliederzahl wuchs bis 1874 auf 144 Unternehmer.

Die Münchner Tagespresse feierte die erste „Trammway“ am 21. Oktober 1876 als herausragendes Ereignis. Das von Pferden gezogene Schienenverkehrsmittel und die damit verbundene Ausweitung von Trambahn- und Omnibuslinien im öffentlichen Dienste wurden von der „Innung der Lohnkutscher in München“ heftig kritisiert. Da half auch nicht, dass die Droschkenfahrer nun mit Erlaubnis der Fahrgäste auf dem Bock rauchen durften. Trotz Eingaben bei seiner Majestät Ludwig I. konnten weitere Trambahnverbindungen nicht verhindert werden. Die Bevölkerung hatte das „moderne Teufelszeug“ bereits als Teil des urbanen Lebens akzeptiert. Der Verdienst der Münchner Lechenrössler lag im Jahr 1889 bei 2,50 Mark pro Tag. Die Firma Westendorp und Pieper brachte 1890 das erste robuste Taxameter auf den Markt: Ein mechanischer Fahrpreisanzeiger mit Zählwerk für Fahrpreis, Einschaltgebühr, Wartezeit und Zuschläge. Bislang wurde nur nach Zeit abgerechnet. 1892 spendete die Münchner Zunft 100 Mark an die Hamburger Kollegen, die durch die Cholera-Epidemie arg in Not geraten waren. In der Generalversammlung vom 8. Januar 1893 wurde die Aufwandsentschädigung für den Vorsitzenden von 100 auf 200 Mark pro Jahr erhöht, wegen der zeitraubenden „Thätigkeit“. Die Genossenschaft hatte 198 Mitglieder und das Automobil wurde erfunden.

In der Landeshauptstadt Bayerns wurde 1899 weltweit die erste Fahrprüfung mit Ausgabe von Führerschein und Zulassungsnummer für Kraftfahrzeuge eingeführt. 480 Pferdedroschken waren in München um die Jahrhundertwende in Betrieb. Der Monatslohn eines Hilfsarbeiters lag 1900 bei 61 Mark, der eines Chemiearbeiters bei etwa 120 Mark. Ein Automobil zum Dienste im öffentlichen Fuhrwerk zuzulassen war anfangs nicht leicht. Es musste eine Pferdedroschkengenehmigung erworben werden, für die rund 1.000 Mark fällig waren. Ein Benzinfahrzeug kostete 9.000, eine Elektrodroschke 11.000 Mark. Erfahrungen aus Berlin hatten zudem gezeigt, dass motorisierte Unternehmer nach Anschaffung oft nicht mehr in der Lage waren, die anfallenden Monatsraten oder die außerordentlich hohen Reparaturkosten zu bezahlen. Bei den Motordroschken musste mit rund 10 % des Anschaffungspreises an Reparaturkosten pro Jahr gerechnet werden, bei Pferdekutschen nur mit 1 %. 1905 befanden sich in der kaiserlichen Reichshauptstadt bereits 400 der 700 Motordroschken unter Gerichtssiegel. Den Siegeszug des Automobils konnten die Probleme aber nicht verhindern.

Bis Ende 1905 gelang es den Münchner Behörden alle Bewerber um Genehmigungen zum Betrieb von Motordroschken abzublocken. Unter Auflagen bekam am 13. Januar 1906 der erste Kraftdroschkenunternehmer die Erlaubnis zum Verkehr. Auf Einladung unternahm Bürgermeister Dr. von Borscht eine motorisierte Rundfahrt durch die Stadt. Es dauerte aber nicht lange, bis die Münchner Lohnkutscherinnung von der Polizei auf erhebliche Überschreitungen der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h hingewiesen wurde. Ferner wurde beobachtet, dass die Lenker von Kraftdroschken beim Einbiegen in Straßen den vorgeschriebenen Bogen nicht genügend ausfahren.

Die Motorisierung des Münchner Taxigewerbes ging gemächlich voran. Noch in 1906 wurde eine Gesellschaft mit 22 Kraftdroschken eingerichtet. 1909 waren von den Motorfahrzeugen nur noch zwölf in Betrieb. 1912 brach die Gesellschaft zusammen. Ähnlich erging es der Gesellschaft für Elektromobildroschken des Grafen Pappenheim und seiner Mitgesellschafter, unter denen sich u.a. der Gründer des Deutschen Museums, Oskar von Miller, befand. Die Gesellschaft startete 1908 mit 10 Elektrofahrzeugen und wurde lebhaft begrüßt, weil die Droschken ruhiger und leiser fuhren als die stinkenden Benzinkutschen. Wegen der schweren Aggregate und des hohen Eigengewichts war der Wirkungskreis aber auf 60 bis 70 Kilometer eingeschränkt. Die Fahrzeuge blieben oft liegen, zum Spott der Pferdedroschkenbesitzer. 1913 stellte die Firma den Betrieb ein.

Am 7. Februar 1908 war Fräulein Schnell die erste Berufs-Chauffeuse in München, die das Droschkenfahren trotz ihres Namens bald wieder aufgab. Ihre Arbeitskleidung bestand aus Kostüm, Automantel und blauweißer Mütze mit dem Abzeichen der Münchener Automobildroschkengesellschaft. Die Pferdedroschken waren 1910 mit 286 immer noch in der Überzahl, zu 194 Kraftfahrzeugen. Gesamt waren 1.303 Automobile in München gemeldet. 1914 gab es neben 425 motorisierten Droschken noch 56 Pferdekutschen. Ein Dollar war für 4,20 Mark zu haben.

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1917 - 1932 Die Gründung

1917 - 1932 Die Gründung

hochmoderne Kraftdroschke

Der erste Weltkrieg begann und das Gewerbe stand vor unübersehbaren Beschaffungsschwierigkeiten. Es mangelte buchstäblich an allem. Der Magistrat der Haupt- und Residenzstadt München teilte den Droschkenunternehmern für ihre Pferde wenigstens Heu zu. Dabei tauchte allerdings das Problem auf, dass kein gemeinsamer Lager- und Verteilplatz vorhanden war. Die Beschaffung von Kraftstoffen, Reifen und Ölen, im Besonderen aber die mangelnde Kreditwürdigkeit der Droschkenunternehmer bei den Banken, war ein eminenter Hemmschuh für die Weiterentwicklung. Wegen der rasanten Geldentwertung und den damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten sah sich das Münchner Droschkengewerbe gezwungen, eine gemeinsame Wirtschaftsorganisation zu gründen. Die Lohnkutscherinnung mit ihrem Büro in der Jägerstraße und die Innung des Kraftdroschkengewerbes mit Sitz in der Prannerstraße waren einzeln nicht mehr in der Lage, die Aufgaben zu bewältigen.

So wurde am 7. November 1917 die „Einkaufsgenossenschaft der Kraft- und Pferdedroschkenbesitzer Münchens eGmbH“ von 12 Unternehmern gegründet. Mit der Einlage von 500 Goldmark pro Gründungsmitglied, rund 5 Jahresmieten für eine Zweizimmerwohnung, sollte eine gewerbeeigene Heuverteilungsstelle errichtet werden, die zentral gelegen und für alle leicht erreichbar war. Vorstand und Aufsichtsrat setzten sich aus Vorstandsmitgliedern beider Innungen zusammen. Zum geschäftsführenden Vorstand der Genossenschaft wurde Herr Josef Huber bestimmt, stellvertretender Vorsitzender der Lohnkutscherinnung. Der erste Vorsitzende, Herr Josef Ostermaier, war im Felde. Einvernehmen bestand darüber, dass sämtliche Wahlen nur für die Dauer des Krieges Gültigkeit haben sollten. Bereits vier Wochen nach Gründung konnte das 58. Mitglied begrüßt werden. Ende 1917 war eine Papiermark nur etwa 45 % einer Goldmark wert. Für einen Dollar mussten inzwischen 9,33 Papiermark hingeblättert werden.

Die Versammlung am 22. Juni 1918 im Gasthof „Zum Bögner“ im Tal besuchten 52 der 148 Mitglieder. Im Vorfeld beschäftigten sich Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft mit dem Erwerb eines Lagerplatzes, der aber erst 1921 zustande kam. Nach einem tödlichen Anschlag auf den Ministerpräsidenten Kurt Eisner geriet der von ihm ausgerufene Freistaat Bayern am 21. Februar 1919 in die Krise. Eine am selben Tag abgehaltene Aufsichtsrats- und Vorstandssitzung der Genossenschaft musste abgebrochen werden. Es herrschte Belagerungszustand. Die zweite Mitgliederversammlung vom 30. März 1919 im „Höger-Bräu“ wählte den zurückgekehrten Vorsitzenden der Lohnkutscherinnung Josef Ostermaier zum Vorsitzenden. Trotz der Wirren der Räterepublik waren 173 Mitglieder anwesend. 1919 waren in München nur noch 712 Automobile registriert.

1920 waren wieder 88 Pferdedroschken und lediglich 392 Kraftdroschken unterwegs. Vorstand und Aufsichtsrat waren überwiegend mit Beschaffungsmaßnahmen beschäftigt. Am 4. und 5. November 1920 wurde über den Ankauf von Auto- und Pferdedroschkenautomaten, Wegbereiter des heutigen Rufsäulensystems, sowie einer Taxameterwerkstätte zum Gesamtpreis von 342.700 Mark verhandelt. Wegen der Hyperinflation war ein Dollar inzwischen 81,25 Papiermark wert. Ab dem 12. Mai 1921 wurden in München die angeschafften Telefonautomaten aufgestellt. Mehr als 150 Anwesen mussten in Augenschein genommen werden, bevor am 11. August 1921 das Gelände der Utzschneiderstraße 11 (heute Nr. 6) in den Besitz der "Einkaufsgenossenschaft der Kraft- und Pferdedroschkenbesitzer Münchens e.G.m.b.H." überging. Zum 1. Juli 1925 waren 2.886 Krafträder und Personenkraftwagen in der Landeshauptstadt zugelassen.

In den folgenden Jahren gewann die Genossenschaft durch ständige Ausweitung des Geschäftsbetriebes an Bedeutung. 1928 wurden bundesweit Fahrtrichtungsanzeiger an Automobilen zur Pflicht und Droschkenrichtlinien aufgestellt. Die Generalversammlung vom 20. April 1928 stellte fest, dass das Genossenschaftsanwesen Utzschneiderstraße 11 zu klein war und beschloss den Zukauf des angrenzenden Grundstücks Utzschneiderstraße 12 (heute Nr. 8). Wegen der nur noch geringen Anzahl von Pferdedroschken wurde am 20. April 1929 der Name in „Ein- und Verkaufsgenossenschaft für das Droschkengewerbe München e.G.m.b.H" geändert. Gemäß eines am 1. November 1929 in Kraft getretenen Tarifvertrages bekamen angestellte Droschkenfahrer in München 2 Mark pro Tag und 17 % der Einnahmen. Die tägliche Einsatzzeit lag bei 12 Stunden mit einer einstündigen Pause. Alle 14 Tage musste ein freier Tag mit mindestens 24 Stunden gewährt werden. Der Urlaubsanspruch betrug 3 Tage pro Jahr, konnte aber je nach Betriebszugehörigkeit auf 6 Tage anwachsen.

Ab 1930 verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation des Gewerbes enorm. Die Arbeitslosenversicherung wurde angehoben und die zum 1. Mai 1930 eingeführte Mineralölsteuer verteuerte den Kraftstoff spürbar. Die Genossenschaft hatte rund 300 Mitglieder. Zu Beginn des Jahres 1932 unterschlug eine Mitarbeiterin den damals horrenden Betrag von 13.065 Mark. Im gleichen Jahr ging die Brandenburger Versicherung in Konkurs, bei der nahezu alle Münchner Droschken versichert waren. Wegen der miserablen Wirtschaftslage trat die Verordnung über geteiltes Fahren in Kraft: Taxis mit gerader Ordnungsnummer durften sich nur an geraden Kalendertagen bereithalten, die mit ungerader Nummer an den anderen Tagen. Die Folge war ein reger Tauschhandel mit Ordnungsnummern, da Unternehmer zu allem Unglück auch noch zwei gerade oder zwei ungerade Droschkenkonzessionen besaßen. Durch einen Wechsel konnten diese Unternehmer wenigstens an jedem Kalendertag mit einem Fahrzeug fahren.

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1933 - 1944 Das Dritte Reich

1933 - 1944 Das Dritte Reich

Josef Ostermaier

Nach der Machtergreifung der Nazis am 30. Januar 1933 leitete der Vorsitzende Josef Ostermaier, Gewerberat und Mitglied des Stadtrates für die Bayerische Volkspartei, noch die Vorstandssitzung im Februar. Vorstandsmitglied Bast teilte im Rahmen der Sitzung vom 27. März 1933 unerwartet mit, der erste Vorsitzende Ostermaier sei durch die politischen Verhältnisse bedingt schwer erkrankt. Sein Aufenthaltsort sei nicht zu erfahren. Das Gerücht hielt sich hartnäckig, dass Josef Ostermaier am 20. Februar beim Überqueren des Königlichen Platzes (heute: Königsplatz) festgenommen und in Schutzhaft genommen worden sei. Ein Schreiben der obersten Leitung der Betriebszellenorganisation der NSDAP wurde anschließend verlesen. Daraus ging hervor, dass die Polizeidirektion aufgefordert wurde, in Zukunft in Sachen Taxiregelung, Konzessionierung und Organisationsablauf in der Partei rückzufragen und Richtlinien einzuholen hatte. Zur Vorstands- und Aufsichtsratssitzung am 5. April 1933 erschien Ostermaier und führte überraschend aus, dass seit Bildung der neuen Regierung die Pflicht bestünde, diese zu unterstützen. In der Sitzung der Vorstände von Innung und Genossenschaft im „Höger-Bräu“ am 7. April 1933 erklärte Herr Josef Ostermaier den Rücktritt von seinen Ämtern und bat die Verbliebenen in seinem Geiste weiterzuarbeiten. Um sieben Uhr abends verließ er den Saal. Alle Anwesenden erhoben sich still von ihren Plätzen. Die Schikanen gingen weiter. Seine politischen Gegner veranlassten Ende 1933 den Ausschluss aus der Genossenschaft. Am 22. Oktober 1935 wurde Ostermaier auch die Ausübung des Kraftdroschkengewerbes untersagt

Die Bezeichnung der Genossenschaft wurde erneut geändert. Seit dem 24. November 1937 trat sie als „Genossenschaft der Münchner Droschkenunternehmer eGmbH“ auf. Im dritten Reich spielten Stadtrundfahrten mit Taxis eine erhebliche Rolle. Das Droschkengewerbe der sogenannten Hauptstadt der Bewegung mit seinen rund 500 Wagen führte Stadtrundfahrten mit zwei Personen für sieben Reichsmark durch, für drei Personen wurden neun und für vier oder fünf Personen 11 Reichsmark verlangt. Fernfahrten in die Umgebung Münchens, z.B. nach Schloss Herrenchiemsee, kosteten 10 Reichsmark pro Fahrgast, allerdings mit dem Zusatz: „Die Preise verstehen sich bei fünf Personen“. 28 Standplätze waren damals mit Rufsäulen ausgestattet. Ein Mercedes-Benz 170 V wurde für 3.750 Reichsmark angeboten, was dem Umsatz einer Droschke in einem halben Jahr entsprach.

Am 4. Juli 1939 wurde der stramme Parteigenosse Engelbert Schneider, Innungsvorsitzender und Ortsfachgruppenleiter in München, als geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft bestellt. Die Haftpflichtversicherung sowie die Fahrzeuguntersuchung in regelmäßigen Abständen traten am 7. November 1939 in Kraft. In der Generalversammlung vom 2. Oktober 1941 rechtfertigte Parteimitglied Schneider den Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni: „Die Bolschewisten standen drohend und schwerbewaffnet an unserer Grenze. Die heldenhafte Wehrmacht hat die Gefahr abgewendet, noch bevor sich die russische Dampfwalze in Bewegung setzen konnte.“ Mit dem Hinweis, dass jeder einzelne seinen Beitrag leisten müsste, beschwerte sich Schneider über die zahlreichen Gesuche aus dem Gewerbe um Befreiung von der Dienstverpflichtung. Münchner Droschkenfahrer mit Lastwagenführerschein waren zum Arbeitseinsatz in der Rüstungsindustrie verpflichtet worden: „Ein Ehrendienst an der Nation“, so der Parteigenosse. Um Fachkräfte zu bekommen wurden Droschken mit mehr als 15 Liter Verbrauch aus dem Verkehr gezogen und die Führerscheine der Besitzer und Fahrer einfach umgeschrieben. Bis Mitte 1943 verwaltete Schneider die Geschäfte mehr schlecht als recht. Ab dem 17. Juni 1943 verzichteten die Mitglieder auf das Ritual, die Generalversammlung mit einem „dreifachen Siegheil auf Führer und Vaterland" zu beschließen. Bis zum Kriegsende wurden nur noch vier Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsrat und keine Generalversammlung mehr abgehalten. Die Genossenschaft bewegte sich in den 12 Jahren des 1.000jährigen Reiches, wie das übrige Wirtschaftsleben, auf den absoluten Nullpunkt zu.

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1945 - 1959 Die Nachkriegszeit

1945 - 1959 Die Nachkriegszeit

Taxi in der Besatzungszone (MaxII)

Am 7. Juni 1945, also einen Monat nach dem Zusammenbruch, traten Vorstand und Aufsichtsrat wieder vollzählig zusammen. Auch der Gewerberat Josef Ostermaier war erschienen und teilte mit, dass er von den Siegermächten als kommissarischer Leiter der Innung bestellt sei. In der Vorstands- und Aufsichtsratssitzung vom 8. Juli 1945 wurde einstimmig der Beschluss vom 7. November 1933 aufgehoben, mit dem das Mitglied Ostermaier ausgeschlossen worden war. Er übernahm wieder die Leitung als geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft.

Ein harter Wiederaufbau begann. Die genossenschaftlichen Anwesen waren teilweise erheblich bombengeschädigt. Nur wenige Droschkenunternehmer verfügten noch über eigene Fahrzeuge. Josef Ostermaier schlug vor, Frauen als angehende Droschkenunternehmer zu bevorzugen, denn viele von ihnen hatten ihre Männer im Krieg verloren und verfügten über keinerlei Einkommen. Die Wiedereinführung der Pferdedroschken wurde diskutiert, aber abgelehnt. Am Sonntag, 30. Dezember 1945, fand in der Gaststätte „Markthof“ in Schwabing die erste Mitgliederversammlung der Nachkriegszeit statt. Der Vorsitzende Ostermaier beantragte Mittel zur Wiederherstellung der bombengeschädigten Häuser. Darüber hinaus wurde der Vorstand beauftragt, Klarheit über die Bezahlung der Münchner Kraftdroschken zu schaffen, die in Nürnberg anlässlich der Kriegsverbrecherprozesse eingesetzt wurden. In der folgenden Aufsichtsratssitzung wurde Josef Ostermaier einstimmig ermächtigt, bei den Stadtpfarrern von Heilig Geist und Sankt Peter vorzusprechen, um den von den Nazis verbotenen Jahresgottesdienst wieder aufzunehmen. Man wählte die Heilig-Geist-Kirche als die für den Sitz der Genossenschaft zuständige Pfarrkirche.

Am 5. Dezember 1946 wurde der Bayerische Landesverband für das Droschken- und Mietautogewerbe gegründet, dessen Vorsitzender Herr Josef Ostermaier wurde. Zur Einberufung musste die Genehmigung der amerikanischen Militärregierung eingeholt werden. Über 400 Unternehmer aus ganz Bayern nahmen an der Gründungsversammlung teil. Die Eintrittsgebühr betrug 20 Reichsmark, der Monatsbeitrag 2 Reichsmark für das erste sowie 1 Mark für jedes weitere Fahrzeug. In der ersten Hälfte des nächsten Jahres nahmen die Gewerbevertreter in der britischen und amerikanischen Besatzungszone Kontakt miteinander auf. In der 2. Jahreshauptversammlung in 1947 musste die junge Satzung wieder geändert werden, da Pferdedroschkenbesitzer um Aufnahme und Repräsentanz im Landesverband nachsuchten. In Hamburg wurde die Arbeitsgemeinschaft Personenverkehr (AGP) als bundesdeutscher Gesamtverband gegründet. Der Landesverband Bayerischer Droschken- und Mietautounternehmer e.V. trat am 22. Oktober 1947 bei. Josef Ostermaier übernahm kurz darauf den Vorsitz der AGP. Am 25. November 1947 gab es intensive Gespräche mit dem Münchner Taxiunternehmer Sixt über die Einrichtung bzw. Ausweitung des Export-Taxidienstes (ET). Bis Dezember 1947 sollten insgesamt 200 Wagen zur Beförderung von Militärpersonen und Angehörigen der Besatzungsmacht zur Verfügung stehen. Sixt bot der Genossenschaft die Übernahme des Betriebes an, die dann aber nicht erfolgte. In derselben Sitzung wurden Übergriffe des Roten Kreuzes bekannt, das sich in die gewerbliche Personenbeförderung einmischte.

1948 betrieben die 492 Mitglieder der Genossenschaft rund 600 Taxis in München. Es wurden Lehrgänge zum Erwerb des Droschkenführerscheines abgehalten. Im August spitzte sich die Auseinandersetzung zwischen dem Gewerbe und dem Bayerischen Roten Kreuz derart zu, dass man von gesetzwidrigen Zuständen im Krankentransportwesen sprach. Eine Vorsprache bei der juristischen Abteilung des Verkehrsministeriums wurde notwendig. Die Verweigerung von Fahrten innerhalb des Münchner Stadtgebiets nahm deutlich zu. Der Vorsitzende Ostermaier verurteilte diese Entwicklung und schlug vor, in leichteren Fällen den Unternehmer mit Benzinentzug zu belegen. In krassen Fällen sollte zeitweise der Führerschein bzw. die Konzession entzogen werden.

Im Januar 1949 kam es zur Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages mit Herrn Sixt als Betreiber des Export-Taxidienstes in Südbayern. Über den Landesverband wurde Herrn Kußberger die Abwicklung des Export-Taxidienstes für Nordbayern zugestanden. Als in der Nacht vom 26. auf 27. Oktober 1949 der Droschkenbesitzer Sebastian Dünzl, Taxi 496, ermordet wurde, hatte Josef Ostermaier eine Aussprache im Polizeipräsidium mit Polizeidirektor Herrmann und Herrn Wenzl von der Kriminalabteilung. In der Sitzung der Vorstände aller Gewerbeorganisationen vom 16. November 1949 wurde daraufhin der Einbau der sogenannten Münchner Trennwand, einer Halbscheibe hinter dem Fahrer, und einer Alarmanlage in die Fahrzeuge besprochen. Die Maßnahmen dienten der Sicherheit, denn Auseinandersetzungen waren an der Tagesordnung. Es lagen Berichte von 64 Überfällen vor, von denen 53 von Angehörigen der Besatzungsmacht und nur 10 von Zivilpersonen verübt wurden. Am 24. November 1949 fand im „Augustiner-Keller“ eine Protestversammlung statt, zu der Vertreter deutscher Behörden, der Militärregierung, des Landtages und des Stadtrates sowie von Presse und Rundfunk einschließlich Gewerbe geladen waren. Mit der Kundgebung protestierte das Gewerbe gegen die gefährliche Untergrabung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, besonders im Droschkengewerbe. Von den erschienenen Unternehmern und Fahrern konnten über 60 Prozent von Unstimmigkeiten mit Fahrgästen berichten, die glimpflich mit Bedrohungen endeten, in den meisten Fällen aber zu Schlägereien führten.

In der Generalversammlung vom 23. August 1950 konnte der Vorstand über die Absicht eines Grundstückserwerbs in Schwabing für annähernd 80.000 DM berichten. Zur Finanzierung beschloss die Mitgliederversammlung die Genossenschaftsanteile zu erhöhen. Am 15. November 1951 wurde der Beschluss zur Bebauung des neuen Anwesens Markt-/Haimhauserstraße mit einem Tankstellen- und Reparaturbetrieb gefasst. Schriftführer war Josef Kuffer, der noch in der gleichen Versammlung in den Aufsichtsrat gewählt wurde. Die Zeiten waren hart. Einheimische fuhren nur zu Hochzeiten, Beerdigungen oder ins Krankenhaus mit dem Taxi. Für einen Dollar bekam man wieder DM 4,50. Große Empörung herrschte wegen der Umstellung der Fahrzeughersteller auf fünfsitzige Autos. Diese „Kanonen" würden nicht dem Bedarf entsprechen. Der Tankstellenbetrieb in der Marktstraße konnte am 1. Juni 1953 eröffnet werden.

Die Auseinandersetzungen zwischen dem Gewerbe und dem Bayerischen Roten Kreuz gipfelten in einer langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzung. In einem Vergleich verpflichtete sich das BRK am 14. Januar 1954, den gewerbsmäßigen Transport von gesunden Personen zu unterlassen. Im Gegenzug versprach das Taxigewerbe, auf den Transport von liegenden Kranken und von Personen mit ansteckenden Krankheiten zu verzichten. Nur in Notfällen waren dem Gewerbe diese Transporte erlaubt. Der Export-Taxidienst für die amerikanischen Besatzungskräfte wurde 1955 eingestellt. Der Münchner Taxiunternehmer Sixt hatte sich aber zwischenzeitlich mit einer 1951 gegründeten Autovermietung ein florierendes Geschäft aufgebaut. Am 23. Januar 1956 fand in der Gaststätte „Markthof“ die Gründungsversammlung der Vereinigung Münchner Kraftdroschken- und Mietautounternehmen (später Taxivereinigung) statt. Josef Ostermaier wurde zum ersten und Josef Kuffer zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Am 31. Januar 1956 legte Josef Ostermaier, inzwischen über 78 Jahre alt, den Vorsitz der AGP nieder. Im April erhielt er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz.

Das Geschäftsjahr 1956 war in München von Verhandlungen über den geplanten Kauf eines Grundstückes in der Baaderstraße und der damit verbundenen Erhöhung der Genossenschaftsanteile beherrscht. Die Räume in der Utzschneiderstraße reichten für die Genossenschaft bei weitem nicht mehr aus. Bei einem Überfall an der Gaststätte „Blaues Rößl“ auf den Fahrer der Münchner Droschke 436 zog dieser seine Pistole und schoss dem Angreifer durch den Hut, worauf dieser flüchtete. Josef Ostermaier trat Anfang 1957 als Vorstand der Münchner Genossenschaft zurück. Er war 36 Jahre für das Gewerbe tätig gewesen. Das Urgestein des Taxigewerbes war bis zuletzt voller Tatendrang. So wurden in seinem letzten Jahr die Bedienung am Flughafen München-Riem mit Taxis über einen Droschkenwarteplatz beschlossen und die Notwendigkeit zur Einrichtung einer Zentrale diskutiert. Nach einigen Auseinandersetzungen um die Nachfolge übernahm Josef Kuffer am 7. März 1957 die Geschäfte. Die Führung der Taxivereinigung war bereits an ihn übergegangen. Am 23. April 1957 wurde Kuffer auch als Vorsitzender des Landesverbandes gewählt. Die neue Autogeneration verbrauchte nur noch 13 bis 14 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer, nicht mehr 17 Liter. Der Rückgang an den genossenschaftseigenen Tankstellen war spürbar. Andere Geschäftsfelder waren gefragt. Josef Kuffer unterstützte die Einrichtung der Telefonzentrale tatkräftig. Noch in 1957 wurde der Umbau sämtlicher Erdgeschossräume im Anwesen Utzschneiderstraße 6 und 8 in Angriff genommen. Die Kosten dafür betrugen 33.400 DM, was zur damaligen Zeit dem Wert eines Einfamilienhauses entsprach. Der Kaufpreis für eine Telefonanlage wurde mit 57.303 DM, die Montagekosten mit circa 9.000 DM und die jährliche Wartungsgebühr mit 3.997 DM veranschlagt. Die Investitionen waren nicht unumstritten. München überschritt am 15. Dezember 1957 die Eine-Million-Einwohner-Grenze. 

In der Sitzung vom 22. April 1958 konnte Joseph Kuffer über die Einführung eines Taxi-Dachschildes berichten, das der Unternehmer Winderle einige Wochen versuchsweise auf seinem Taxi angebracht hatte. Insgesamt wurde diese Kennzeichnung befürwortet. Die Eröffnung der Telefonzentrale in München erfolgte am Montag, 28. April 1958, um 9.30 Uhr. Anwesend waren Vertreter des Staatsministeriums für Wirtschaft und Verkehr, der Regierung von Oberbayern, der Stadt, der Post, der Firma Siemens und der Industrie- und Handelskammer sowie Presse und Rundfunk. Die angenommenen Aufträge wurden über Standplatz-Telefonautomaten an die Fahrzeuge vermittelt. Bereits Ende 1958 bemühte sich die Münchner Genossenschaft um eine Funkfrequenz, für die aber mindestens zehn Fahrzeuge notwendig waren. Es wurde überwiegend die Auffassung vertreten, dass Funk nur eine geringe wirtschaftliche Rolle spielen könne. Schließlich erklärten sich einige Aufsichtsratsmitglieder zur Teilnahme bereit. Mitte April 1959 konnte der erste Sender installiert und der Funksprechverkehr aufgenommen werden. Sofort traten massive Widerstände gegen die technische Neuerung auf den Plan. Manche Mitglieder sahen in dieser Vermittlung das Ende der Genossenschaft kommen. Kaum eine Sitzung verging, in der die Neuerung nicht beklagt wurde. Dem Fortschritt geschuldet, wurde der Name in „Autoruf Genossenschaft der Münchner Taxiunternehmer eGmbH“ geändert. Noch im selben Jahr konnte der Kauf des Grundstückes in der Corneliusstraße zum Preis von 210.000 DM beschlossen werden. Der PKW-Bestand in München nahm in den Jahren 1950 bis 1959 jährlich im Durchschnitt um etwa 20 % zu.

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1960 - 1972 Zeiten des Umbruchs

1960 - 1972 Zeiten des Umbruchs

Im Mai 1960 traten die ersten Auseinandersetzungen mit der Call-Car-Gesellschaft auf. Pförtner diverser Münchner Kliniken beauftragten ausschließlich diese Fahrzeuge. Im Zuge einer Überprüfung der Taxiflotte im Frühjahr 1960 wurden 418 der vorgefahrenen Fahrzeuge als sehr gut bewertet. 186 galten als gut und lediglich 49 bekamen nur ein ausreichend zugesprochen. Am 8. Juni 1960 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass Taxigenehmigungen nur dann nicht erteilt werden dürfen, wenn die Interessen des öffentlichen Verkehrs gefährdet sind. Gleichzeitig trat eine neue Berufszugangsverordnung in Kraft. Wegen des Urteils lagen in München im September 1960 bereits 869 Anträge auf neue Verkehrsgenehmigungen vor. Am 31. Oktober gab Josef Kuffer in einer gemeinsamen Sitzung bekannt, dass 132 Anträge in Bearbeitung und 35 Neugenehmigungen bereits erteilt seien, so dass in München 730 der 1.480 bayerischen Taxis zugelassen waren. Kuffer beruhigte mit dem Bericht, dass das Amt für Öffentliche Ordnung nicht gewillt sei, mehr als 100 Neugenehmigungen zu erteilen. Tatsächlich beschloss der Stadtrat am 15. Dezember 1960 eine Zulassung auf maximal 850 Taxis. Im Anschluss sollte das vom Bundesverfassungsgericht geforderte Gutachten über die Funktionsfähigkeit erstellt werden. Der Geschäftsanteil der Genossenschaft wurde von 600 auf 1.000 DM erhöht. Betreffend der neu eingeführten Taxi-Dachleuchte wurde Zurückhaltung empfohlen, da die Ausführungsbestimmungen zur BOKraft noch ausstünden. Am 27. Dezember 1960 verlas Josef Kuffer ein Dankschreiben des Oberbürgermeisters Vogel. Er sprach seine Anerkennung dafür aus, dass sich das Münchner Taxigewerbe bereit erklärt hatte, zu der Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes bei der Theresienwiese 92 Fahrzeuge abzustellen.

Josef Ostermaier verstarb am 23. Januar 1961. Der Gründer der heutigen Genossenschaft wurde am 10. Dezember 1877 geboren und erhielt die Zulassung zur Leitung öffentlicher Fuhrwerke am 11. August 1905. Er hatte zwei Weltkriege überlebt und war seinen Ansichten immer treu geblieben. Das Gewerbe hatte einen großen Verlust hinzunehmen und verabschiedete Ostermaier mit einem Trauerzug, der die Stadt teilweise lahmlegte. 1961 wurde das erste Taxi mit einer schusssicheren Trennscheibe zwischen Vordersitzen und der hinteren Sitzbank vorgestellt. In München waren 844 Taxikonzessionen zugelassen. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen am 26. Mai 1961 im „Amberger Hof“ ein genossenschaftliches Mitteilungsorgan unter dem Namen „Taxikurier“ einzuführen. Die erste Auflage umfasste 900 Exemplare und hatte acht Inserenten. Am 11. Dezember 1961 berichtete Josef Kuffer über einen Prozess bezüglich der Erteilung von Neugenehmigungen, den die Stadt verlor. In Folge wurden viele Fahrer selbständig, so dass ein Mangel an angestellten Arbeitskräften entstand. Innerhalb kurzer Zeit stieg der Lohn des Fahrpersonals von bisher 18 % auf 33 % des Umsatzes. Die Auseinandersetzung mit der Firma Call-Car wurde gerichtlich mit einstweiligen Verfügungen betrieben. Die Genossenschaft bot allen Großkunden Direktleitungen zur Zentrale an, um die Bestellung von Taxis zu vereinfachen.

Am 25. Mai 1962 konnte in der Corneliusstraße die 2. genossenschaftseigene Tankstelle in Betrieb genommen werden. Zusatzeinnahmen brachten 24 Wohnungen, die auf dem Gelände vermietet wurden. In der ersten Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat des Jahres 1963 beantragten nicht weniger als 91 Neukonzessionäre und Übernehmer die Aufnahme in die Münchner Genossenschaft. Auch in Bayern war die Zahl der zugelassenen Taxis innerhalb von 2 Jahren um 32 % auf 1.955 gestiegen. In der Sitzung vom 19. Februar 1963, also kurz nach Fertigstellung des Anwesens in der Corneliusstraße, nahm der Münchner Vorstand den Kauf des Grundstückes Engelhardstraße 6 in Angriff. Der damalige Direktor des Genossenschaftsverbandes, Herr Dietzel, unterstützte den Vorstand nach Kräften. Der Kauf des heutigen Stammhauses in der Engelhardstraße wurde von den Mitgliedern in der außerordentlichen Generalversammlung vom 6. März 1963 beschlossen.

Josef Kuffer verfolgte den Ausbau der genossenschaftseigenen Anwesen konsequent. Am 15. November 1965 konnte die 3. Tankstelle mit Autowaschstraße in der Engelhardstraße eröffnet werden. Das Vordergebäude wurde an die Oberpostdirektion München vermietet. Die rasante Ausweitung der technischen Betriebe und des Immobilienbesitzes ging mit der explosionsartigen Aufstockung der Zahl von Taxikonzessionen einher. Ende 1966 waren in München 2.995 Taxis zugelassen, ein Plus von mehr als 2.000 Fahrzeugen in gerade einmal sechs Jahren. Ein Sättigungsgrad war erreicht. Der Konkurrenzkampf mit den Funkmietwagen-Zusammenschlüssen erledigte sich von selbst, da viele dieser Unternehmer eigene Taxigenehmigungen beantragten und erhielten.

Dagegen ging die Schlacht gegen die Trennwandverordnung vorerst verloren. Der Einbau wurde 1967 Pflicht. Die Panzerglasscheibe zwischen Fahrer und Passagier musste ständig geschlossen sein, was in den damaligen Fahrzeugen ohne Klimaanlage einen erheblichen Komfortverlust für die Fahrgäste bedeutet. Groß gewachsene Fahrer konnten den Sitz nicht weit genug verstellen, die Verständigung wurde erschwert und Fahrgäste wurden bei Vollbremsungen wegen fehlender Sicherheitsgurte verletzt. Die Nachrüstung der Fahrzeuge kostete bis zu 800 DM. Das Münchner Taxigewerbe begehrte auf. Im Bayerischen Landtag wurde eine Resolution übergeben. Die Genossenschaft lud zu ihrem 50-jährigen Bestehen am 29. Oktober 1967 in den großen Festsaal der „Mathäser-Bierhallen“ ein. Im gleichen Jahr ergab eine statistische Verkehrserhebung, dass etwa 15 % der am Flughafen Riem ankommenden Reisenden das Taxi nutzten, mit dem öffentlichen Linienverkehr circa 35 % und die Hälfte der Fluggäste mit dem eigenen PKW fahren. Ein Ford 17 M mit Taxiausrüstung war für 8.360 DM erhältlich. Das OLG Hamm entschied, dass Mietwagen keine Fahrgäste „auf der Straße auflesen“ dürfen. In Anerkennung seiner erfolgreichen Tätigkeit wurde Herr Josef Kuffer am 17. November 1967 einstimmig zum Präsidenten des Bundesverbandes des Deutschen Personengewerbes e.V. (heute Deutscher Taxi- und Mietwagenverband e.V.) gewählt.

Der Streit um die ungeliebte Trennscheibe ging in die nächste Runde. Teilweise waren Pressemeldungen mit dem Titel „Der Tod im Nacken“ im Umlauf. Eine weitere Verfassungsklage wurde eingereicht. Am 5. Juli 1968 fand in München eine Protestfahrt mit rund 1.000 Taxis in der Innenstadt statt. Der Bundestag befasste sich am 28. November 1968 mit dem Thema, am 20. Juni 1969 beschloss er, die Vorschrift in eine Kann-Bestimmung umzuwandeln. Im gleichen Jahr wurde auch die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung für Mietwagenfahrer eingeführt. Die Genossenschaft baute den Funkverkehr aus. Ab 1970 erteilte die Landeshauptstadt mit Blick auf die Olympischen Spiele mehr als 500 zusätzliche Taxigenehmigungen. Mit jeder Hitzeperiode gab es Diskussionen über die Taxifarbe. Die schwarzen Wagen heizten sich stark auf. Ab 18. Dezember 1970 konnten Taxis auch in der Farbe Hellelfenbein zugelassen werden. 1971 erschienen die ersten „gelben“ Fahrzeuge auf der Straße. Zu Beginn der Olympischen Spiele am 26. August 1972 war die höchste Konzessionsnummer 3520 in München. Die Wettkämpfe wurden zu einer großen Enttäuschung für das Gewerbe. Es konnten keine Mehreinnahmen erzielt werden, teilweise war von einem Rückgang der Einnahmen von mehr als 20 % die Rede. Fahrdienste mit Hunderten von PKW, gesteuert von Bundeswehrangehörigen, und eine Vielzahl von Omnibussen übernahmen die Beförderung der Besucher. Im September 1972 hatte die Münchner Autoruf eG 900 Funkteilnehmer. Es musste eindringlich auf Funkdisziplin hingewiesen werden, da immer wieder mutwillige Störungen vorlagen. Die Genossenschaft prüfte den Einsatz von Kennungsgebern in den Fahrzeugen. Die Nichterfüllung der Beförderungspflicht wurde von der Behörde mit 50 Mark Geldbuße geahndet. Im Oktober 1972 beschwerte sich Taxifahrer Alfred Huber in der Vermittlungszentrale über die Auftragsvergabe. Der damalige Funkdienststellenleiter Kurt Hetzel meinte zu dem Studenten: „Wenn´s moana, Sie kanntn 's bessa, dann nehman´s gleich Blotz.“ (Hochdeutsch: Wenn Sie meinen, Sie könnten es besser, dann setzen Sie sich gleich hin). Aus den zwei Stunden Arbeit an diesem Donnerstagabend wurden letztendlich 42 Jahre, die Alfred Huber für die Genossenschaft tätig war.

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1973 - 1979 Die Ölkrise

1973 - 1979 Die Ölkrise

In der Nacht vom 3. auf 4. April 1973 wurde die Fahrerin des Taxis 2896 überfallen. Ein Hilferuf über Funk konnte nicht gehört werden, da die Kanäle durch private Gespräche der Taxifahrer gestört waren. Die Ölkrise erreichte das Gewerbe. Die Fördermengen wurden gedrosselt, die Genossenschaftstankstellen konnten nicht mehr beliefert werden. Im Mai galt der Münchner Unternehmer Franz Maindl mit 85 Jahren als Deutschlands ältester Taxifahrer. Die Fahrerlöhne stiegen im ersten Halbjahr 1973 auf 45 % vom Umsatz. In der ordentlichen Generalversammlung vom 24. Juli 1973 wurde Herr Max Herzinger in den Aufsichtsrat der Genossenschaft gewählt. Am 17. Oktober 1973 fand im „Augustinerkeller“ eine Versammlung für Funkteilnehmer statt. Hintergrund war die Einführung des Kennungsgebers. Von den mittlerweile 1.000 Unternehmern mit Funk erschienen gerade einmal 80 Mitglieder. Herr Kuffer berichtete über die Erfahrungen aus anderen Städten. In der Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat vom 19. Dezember 1973 wurde schließlich der Beschluss zur Einführung des Selektivrufs im Funkverkehr gefasst. Die Genossenschaft vermittelte 1973 in München insgesamt 891.448 Fahrtaufträge, davon 496.084 über Funk und den Rest über die Rufsäulen, die an 102 Standplätzen installiert waren. Zum Ende des Jahres gab es in Bayern 5.105 Taxis, eine Zunahme um 3.625 Fahrzeuge oder 345 % in 13 Jahren.

Am 1. Mai 1974 wurde in Deutschland weltweit erstmals ein Punktesystem für Verkehrsverstöße eingeführt. Die Taxivereinigung konnte vermelden, dass der Taxistand am Flughafen Riem endlich in die „1. Reihe“ verlegt werden konnte. Bei der Genossenschaft tauchten immer mehr gefälschte Auftragsscheine auf, die zur Auszahlung kamen. Es entstand ein erheblicher Schaden. In der ordentlichen Generalversammlung vom 29. Oktober 1974 musste der Vorstand erstmals seit Kriegsende ein negatives Geschäftsergebnis in Höhe von 150.000 DM vermelden. Die Mitglieder beschlossen, sämtliche Unternehmer mit mehr als drei Taxis aus der Genossenschaft auszuschließen, wie dies in der etwas überholten Satzung auch vorgeschrieben war. In weiser Voraussicht drohte der Vorstand unter Josef Kuffer den über 100 betroffenen Unternehmern den Ausschluss nur an. So konnten sie Rechtsmittel in Anspruch nehmen, was gleichzeitig spätere Regressansprüche vermeiden würde. Der BGH wies den Rechtsstreit, der sich über drei Jahre hinzog, zurück an das Oberlandesgericht München. Das verpflichtete die Genossenschaft, alle Münchner Unternehmen mit einer Genehmigung zum Taxiverkehr unabhängig von ihrer Größe aufzunehmen.

Wegen der Fehlbeträge fasste der Vorstand der Genossenschaft in der Sitzung vom 10. Januar 1975 den Beschluss über eine Gebührenerhöhung. Pro Fahrzeug war für Funk, Telefon und Standplatznutzung eine Pauschale in Höhe von 495,80 DM netto jährlich inklusive der Werbekosten fällig. Nach einigen Verzögerungen konnte 1975 endlich begonnen werden, den Funkverkehr über Kennungsgeber zu steuern. Die Teilnehmer blieben nicht mehr anonym, mit Auftasten wurde die Ordnungsnummer des Taxis übertragen. Die Zahl der Münchner Funkfahrzeuge ging daraufhin auf 750 zurück. In der ordentlichen Generalversammlung vom 15. September 1975 wurde Herr Hans Meißner in den Aufsichtsrat gewählt. Der geschäftsführende Vorstand Josef Kuffer erhielt den Bayerischen Verdienstorden. Zu Jahresbeginn 1976 trat die allgemeine Anschnallpflicht auf den Vordersitzen in Kraft, die aber nicht für Taxifahrer während der Fahrgastbeförderung galt. Ab Januar 1976 beauftragte der ADAC die Genossenschaft mit der Durchführung von Starthilfen. In der Generalversammlung vom 13. Oktober 1976 wurde Herr Max Herzinger in den Vorstand der Genossenschaft berufen. Zum Jahresende gab es nur noch 94 Telefonrufsäulen in München.

In Bezug auf die gefälschten Auftragsscheine gab es am 31. Januar 1977 vor dem Amtsgericht München eine Verhandlung, in der sich herausstellte, dass der Beklagte nicht einmal einen gültigen Personenbeförderungsschein besaß. Wegen fortgesetzten Betrugs und Urkundenfälschung verurteilte ihn das Gericht zu eineinhalb Jahren ohne Bewährung. Die wegen Einführung des Kennungsgebers verlorenen Fahrzeuge kehrten zurück. Im Februar 1977 gab es wieder 1.157 Funkteilnehmer. Das Vorstandsmitglied Herzinger übernahm die undankbare Aufgabe eine neue Funkdienstordnung zu erstellen, die nach kontroverser Diskussion am 11. Juli 1978 beschlossen wurde. In diesem Jahr kostete die Teilnahme an den Leistungen der Genossenschaft 585,80 DM zzgl. 12 % MwSt. pro Jahr und Fahrzeug. Am 4. September 1977 wurden in München die ersten 400 Taxis mit Außenwerbung versehen. Für jedes beklebte Fahrzeug erhielten die Unternehmer einen monatlichen Obolus in Höhe von 100 DM inklusive Mehrwertsteuer.

Ab 1. Oktober 1978 mussten angehende Unternehmer einen Fachkundenachweis erbringen, um eine Verkehrsgenehmigung zu erhalten. Die Sache hatte einen Haken: Es gab keine Prüfungen. Die Durchführungsverordnung trat erst am 1. April 1979 in Kraft. Der Bayerische Landesverband begann im Januar 1979 mit den bis heute stattfindenden Unternehmerschulungen. Laut Bundesverband wurden 1979 deutschlandweit rund 268 Mio. Fahrgäste von 35.450 Taxis befördert. In der Münchner Genossenschaft nahm im Dezember eine neue Telefon- und Vermittlungsanlage den Dienst auf. Herr Alfred Huber wurde stellvertretender Leiter der Funkdienststelle.

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1980 - 1989 Die 80er Jahre

1980 - 1989 Die 80er Jahre

In der ordentlichen Generalversammlung vom 10. Juli 1980 wurde die Erhöhung des Eintrittsgeldes von 800 auf 2.000 DM beschlossen. Die 10-jährige Übergangsfrist zur Umstellung auf die Taxifarbe Hellelfenbein endete am 1. September 1980. In der Gaststätte „Salvatorkeller“ fand am 21. Oktober 1980 eine weitere Generalversammlung mit nur einem Tagesordnungspunkt statt. Wegen des vom Gericht aufgehobenen Verbots zur Teilnahme an den genossenschaftlichen Leistungen mit mehr als 3 Fahrzeugen war eine Satzungsänderung notwendig. Versammlungsleiter war der am 17. Juli 1980 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählte Hans Meißner. Die erforderliche Mehrheit für die Änderung konnte erneut nicht gefunden werden.

1981 wurde Josef Kuffer, Vorsitzender des Landesverbandes bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmer sowie Präsident des Bundesverbandes, durch Ministerpräsident Franz-Josef Strauß mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. In der Generalversammlung vom 24. Juni 1981 kam es zum Eklat. Der turnusgemäß zur Wahl stehende Aufsichtsratsvorsitzende und Versammlungsleiter Hans Meißner wurde mit nur einer Stimme Unterschied nicht mehr in den Aufsichtsrat gewählt. Zum 31.12.1981 gab es 1.948 Funktaxis. Insgesamt waren 3.117 Fahrzeuge der Genossenschaft angeschlossen. 98 Telefonrufsäulen waren im Stadtgebiet an den Halteplätzen aufgebaut, von denen innerhalb eines Jahres 3 Stück umgefahren wurden.

In Deutschland stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung. Die Fahrtaufträge gingen 1982 in München um 25 % zurück. Im Mai wurde die erste Telefonrufsäule der neuesten Generation mit außenliegendem Freisprecher am Goetheplatz aufgestellt – von den hiesigen Taxifahrern als „Pilz“ bezeichnet. Im gleichen Monat, am 13. Mai 1982, wurde Herr Hans Meißner zum 2. Vorsitzenden der Taxivereinigung gewählt. Daraufhin traten der Vorsitzende, Herr Walter Funk, und vier weitere Vorstandsmitglieder zurück. Einen Monat später, am 23. Juni 1982, wurde Herr Hans Meißner mit deutlichem Zuspruch wieder in den Aufsichtsrat der Münchner Taxigenossenschaft und kurz darauf auch zu dessen Vorsitzendem gewählt. Am selben Tag konnte die Klage eines Mitgliedbetriebes gegen den eingeführten Mehrwagenzuschlag gewonnen werden. Am 05. Dezember 1982 beschloss der Deutsche Bundestag die 5. Novelle zum Personenbeförderungsgesetz. Josef Kuffer konnte im Dezember ein Doppeljubiläum feiern: Er wurde 65 Jahre und leitete die Münchner Taxigenossenschaft seit 25 Jahren als geschäftsführender Vorstand.

Dem schlechten Geschäft geschuldet, gingen die Anträge auf neue Taxigenehmigungen in München deutlich zurück. Allein im 1. Halbjahr 1983 verzichteten über 100 Bewerber auf ihre Vormerkung. Für eine Beförderungsverweigerung wurde inzwischen ein Bußgeld zwischen 100 und 250 Mark fällig. In 1983 musste bei der Genossenschaft ein erneuter Rückgang der Fahrtaufträge um 11 % verzeichnet werden. Der Unternehmer des Taxis 2247, Herr Praml, gab ungeachtet der schlechten Geschäftslage im Herbst 1983 eine gefundene Geldbörse mit 350 DM zurück. Am 3. November 1983 wurde ein Münchner Taxiunternehmer verurteilt, der in mindestens einem Fall Patienten einer Dialysestation mit dem Wohnmobil befördert hatte. Kläger war die Taxivereinigung unter Herrn Hans Meißner. Den Vorsitz hatte er Mitte 1983 übernommen.

Das Jahr 1985 begann mit einer Kostenexplosion. Das Bundesaufsichtsamt für Versicherungswesen hatte Kfz-Haftpflichttarife mit einer Steigerung von über 40 % genehmigt. In der Genossenschaftsversammlung vom 26. Juni 1985 konnte im fünften Anlauf endlich der unglückliche Satzungsbestandteil über Ausschluss und Aufnahme von Mitgliedern mit mehr als 3 Taxis abgeändert werden. Gleichzeitig wurde das genossenschaftliche Eintrittsgeld von 2.000 auf 3.500 DM erhöht. Für die Auftragsvermittlung waren inzwischen 4 Funkkanäle nötig. Am 21. November 1985 legte Herr Josef Kuffer sein Amt als Vorsitzender des Bayerischen Landesverbandes nach 27 Jahren nieder. Sein Nachfolger wurde der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes, Herr Hans Meißner.

1986 informierte sich Vorstandsmitglied Max Herzinger über den neusten Stand der Vermittlungstechnik bei der Nürnberger Taxigenossenschaft. In München waren über 2.200 Taxis am Funk angeschlossen. Pro Jahr erhielten diese rund 1,2 Millionen Aufträge. Die seit Jahren vorgetragene Kritik über zu wenig Taxistellfläche am Flughafen München-Riem wurde nach Umbaumaßnahmen gegenstandslos. Nach Willen des Betreibers sollten die Kosten dafür vom Taxigewerbe getragen werden. Oberbürgermeister Georg Kronawitter schaltete sich ein, die Flughafengesellschaft zahlte. Seit 1. Juli 1986 gab es Bußgelder, wenn sich Fahrgäste auf Rücksitzen nicht anschnallten. München hatte weiterhin die größte Taxidichte aller deutschen Großstädte. Die Genossenschaft musste ein negatives Betriebsergebnis von 287.000 DM hinnehmen, das überwiegend durch die Tankstellen verursacht wurde.

Am 27. Juli 1987, kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres, trat Josef Kuffer in den Ruhestand. Die Generalversammlung bedankte sich bei Herrn Kuffer für seine engagierte Arbeit und die erbrachten Leistungen für das Taxigewerbe mit langanhaltendem Applaus. Ihm war es gelungen, auf das Erbe seines Vorgängers aufzubauen, durch unternehmerisch mutige Entscheidungen die Genossenschaft zu stärken und durch Weitsicht und Integrationskraft die Einheit des Münchner Taxigewerbes zu wahren. Im Verlauf der Versammlung wurde der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Hans Meißner mit großer Mehrheit in den Vorstand gewählt. Herr Josef Kuffer wechselte in den Aufsichtsrat. Der Prüfverband kritisierte die steigenden Verluste aus den Tankstellenbetrieben. Über 2.300 Funktaxis waren bei der Genossenschaft angeschlossen. Der bargeldlose Zahlungsverkehr nahm um 50 % zu. Nach langer Diskussion wurde in der Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft am 1. Dezember 1987 der Beschluss gefasst, das Grundstück Markt-/Ecke Haimhauserstraße mit einem Wohn- und Geschäftshaus zu bebauen. Pro Taxi wurde bei der Genossenschaft eine jährliche Vermittlungsgebühr in Höhe von 960 DM netto fällig, ohne Mehrwagenzuschlag und ohne Rabatt. Die Haftpflichtversicherung für Taxis kostete 1987 bei einem Beitragssatz von 100 % und jährlicher Zahlungsweise stolze 3.500 DM. Neue Dachzeichen auf Magnetträgern waren für 140 DM plus Mehrwertsteuer erhältlich.

Am 1. Februar 1988 führte die Stadt den kommunalen Parküberwachungsdienst ein. In Bezug auf zugeparkte Taxistandplätze wurde Besserung erwartet. In zwei Fällen verhängte die Münchner Ordnungsbehörde Bußgelder von jeweils 2.000 DM wegen Beförderungsverweigerung. Insgesamt mussten 26 Fälle in einem Jahr geahndet werden. Wegen der Strukturreform im Gesundheitswesen gab es eine Sternfahrt nach Bonn. Kritisiert wurden die dem Taxigewerbe weggefallenen Krankenfahrten. Am 23. März 1988 stellte der Vorsitzende der Taxivereinigung, Herr Hans Meißner, nach sechsjähriger Tätigkeit sein Amt zur Verfügung. Grund war die hohe Belastung als geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft und Vorsitzender des Bayerischen Landesverbandes. Das Münchner Taxiunternehmen Mayer feierte sein 100-jähriges Bestehen. Die Familie betrieb das Geschäft bereits in vierter Generation.

Mit der veränderten Marktlage sah sich die Genossenschaft gezwungen, die defizitären Tankstellenbetriebe nach und nach zu schließen. Aus den Bedürfnissen der 1950er und 1960er Jahre heraus gebaut, entsprachen diese nicht mehr den Anforderungen. Im April 1988 wurde der Standort Marktstraße aufgelassen, um Platz für eine Neubebauung zu schaffen. Die Generalversammlung vom 20. Juli 1988 beschloss die Namensänderung in „Taxi-München eG“, unter dem die Münchner Taxigenossenschaft bis heute auftritt. Herr Josef Kuffer übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat. In der außerordentlichen Generalversammlung vom 13. Oktober 1988 erhoben sich alle Anwesenden von ihren Plätzen, um den verstorbenen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß zu ehren. Die gleiche Versammlung beschloss die Erhöhung des Geschäftsanteils von 1.200 auf 2.000 Deutsche Mark. Am Ende des Jahres 1988 tauchten bei der Genossenschaft erste Fehlbeträge auf, die trotz intensiver Bemühungen nicht nachvollzogen werden konnten. Gemeinsam mit Herrn Richard Jäger aus der Buchhaltung deckte Vorstandsmitglied Hans Meißner am Sonntag 02. Juli 1989 die Ursache der verschwundenen Gelder auf: Angestellte fälschten Rechnungen in großem Stil. Es wurde umgehend Strafanzeige gestellt. In der Generalversammlung vom 17. Juli 1989 wurde Herr Reinhard Zielinski in den Aufsichtsrat gewählt. Zum Ende der 80er Jahre waren in München erstmals mehr als 500.000 PKW zugelassen.

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1990 - 2009 Beginn der Neuzeit

1990 - 2009 Beginn der Neuzeit

Grundstück Marktstraße

Im Mai 1990 konnte das Wohn- und Geschäftshaus Markt-/Ecke Haimhauserstr. mit über 70 Tiefgaragenplätzen fertig gestellt werden. Sofort waren alle 43 Wohneinheiten, sechs Ladengeschäfte und ein Teil der Gewerberäume vermietet und brachten Mehreinnahmen für die Genossenschaft. In der Generalversammlung vom 26. Juni 1990 berichtete Vorstandmitglied Herzinger über notwendige Investitionen in die Technik. Die 64. Rufsäule der neuen Generation war in Betrieb. In der Zentrale wurde die Zettelwirtschaft auf eine EDV-gestützte Vermittlung umgestellt. Fehlfahrten wegen undeutlicher Schrift gehörten damit der Vergangenheit an. In dieser Sitzung teilte Herr Josef Kuffer den Anwesenden mit, dass er für weitere Aufgaben nicht mehr zur Verfügung stehe. Der ehemalige geschäftsführende Vorstand stellte sich nicht zur Wiederwahl und schied nach 3-jähriger Tätigkeit auch aus dem Aufsichtsrat aus. Max Herzinger hielt eine umfassende Laudatio und dankte Josef Kuffer für seine Verdienste um das Münchner, das Bayerische und Bundesdeutsche Taxigewerbe. Einstimmig wurde Herr Josef Kuffer zum Ehrenaufsichtsratsvorsitzenden der Genossenschaft ernannt.

Seit 1. Mai 1991 galt eine neue Berufszugangsverordnung. Die Taxistiftung Deutschland wurde in Stuttgart gegründet. In der Zentrale der Münchner Genossenschaft löste Herr Alfred Huber den langjährigen Funkdienststellenleiter Kurt Hetzel ab, der in den Ruhestand ging. Mit Unterstützung der Taxi-München eG wurde die Dresdner Taxigenossenschaft erstmalig mit Funk ausgestattet. Ein Sprechfunkgerät der Marke Grundig war damals zum Vorzugspreis von 1.385 DM plus Mehrwertsteuer erhältlich. Die Europäische Gemeinschaft (EG) bemühte sich die Verbreitung von Elektrofahrzeugen zu fördern. Dafür wurden in mehreren Programmen Mittel in mehrstelliger Millionenhöhe vergeben. Auf Grund negativer Betriebsergebnisse musste im Oktober 1991 auch in der Corneliusstraße die Tankstelle geschlossen werden. Das über sieben Jahrzehnte verfolgte Ziel der Münchner Taxigenossenschaft, optimale Dienstleistungen bei minimalem Aufwand zu erbringen, muss bis in die heutige Zeit unter anderen Voraussetzungen erfüllt werden. Herr Hans Meißner wurde Vizepräsident im Bundes-Zentralverband der Deutschen Personenverkehrsunternehmer mit PKW e.V. (heute: Deutscher Taxi- und Mietwagenverband).

Am 17. Mai 1992 konnte der Flughafen München II, heute Flughafen Franz-Josef-Strauß, im Erdinger Moos eingeweiht werden. Im Einvernehmen mit der zuständigen Ordnungsbehörde durften sich Münchner Taxis dort bereithalten. Für die Auftragsvermittlung musste ein eigener Funkkanal installiert werden. Die Zahl der Fahrten von und zum neuen Flughafen ging seit der Eröffnung aber um 25 % zurück. Die 1989 aufgedeckten Betrugsfälle führten am 7. Mai 1992 zu einer Verurteilung der Haupttäterin: Zwei Jahre und vier Monate ohne Bewährung. Eine Umstellung bei der Telekom verursachte erhebliche Störungen im Rufsäulensystem. Vorstandsmitglied Max Herzinger ließ sich mit einem anwesenden Mitarbeiter verbinden, der auch nach 45 Minuten Dauerläuten nicht abhob. Am 13. November 1992 fand eine bescheidene Feier anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Taxi-München eG im „Pschorr-Keller“ statt. Ende des Jahres 1992 hatte die Genossenschaft 2.140 Mitglieder.

1993 gewann der Streit mit den Hilfsorganisationen wieder an Fahrt. Als Vorsitzender des Bayerischen Landesverbandes nahm Hans Meißner den Fehdehandschuh auf. Das genossenschaftliche Verwaltungsgebäude in der Engelhardstraße wurde Mitte des Jahres um ein Stockwerk erhöht. Die Kosten betrugen 1,4 Mio. DM. Im gleichen Jahr konnte das benachbarte, an das Betriebsgelände angrenzende Grundstück günstig erworben werden. In der Generalversammlung vom 29. Juni 1993 wurden erste Stimmen laut, die eine Umstellung der Vermittlungstechnik auf digitaler Basis forderten. Eine Erhebung zeigte, dass am neuen Flughafen nur noch 30 % ein Taxi nutzen, im Vergleich zu den Taxifahrten vom ehemaligen Standort in München Riem. Wegen eines vom Hotel Sheraton durchgeführten Shuttle-Services zum Flughafen blieb der am Hotel befindliche Taxistand tagelang verwaist. Zwischen 20. und 29. November 1993 wurden bei 15 bestellten Taxis die Scheiben eingeschlagen und die Geldbörsen entwendet, während das Fahrpersonal an der Haustür klingelte. In enger Zusammenarbeit mit der Polizei konnten die Täter am 1. Dezember dingfest gemacht werden. Der Rädelsführer war Sohn eines Münchner Taxiunternehmers. Die Pflicht zur Abgasuntersuchung für Dieselfahrzeuge trat am 1. Dezember 1993 in Kraft.

1994 scheiterte die Einführung des Sammeltaxis zum Flughafen. Der kalkulierte Idealzustand, drei bis vier Fahrgäste mit wenig Gepäck, trat zu selten auf. Das Bayerische Staatsministerium des Innern begleitete ein Schiedsverfahren mit dem Bayerischen Roten Kreuz. Gegen den Malteser Hilfsdienst wurden vom Landesverband unter Hans Meißner mehrere Klagen eingereicht. Degressive Taxitarife wurden erstmals angedacht. Am 21. Juni 1994 konnte die Vermittlungszentrale der Taxi-München eG von der Utzschneiderstraße in den 2. Stock des Verwaltungsgebäudes Engelhardstraße verlegt werden. 1995 suchte eine Welle der Gewalt das deutsche Taxigewerbe heim. In den ersten vier Monaten des Jahres mussten bereits 8 Kollegen im Fahrdienst ihr Leben lassen. Der technische Fortschritt bei den Mobiltelefonen begünstigte eine direkte Akquise von Kunden durch Unternehmer und Fahrer. Am 31. Mai 1995 wurde Herr Hans Meißner zum Präsidenten des Bundeszentralverbandes Personenverkehr mit PKW (BZP) gewählt.

In der Genossenschaftsversammlung vom 26. Juni 1996 wurde über den Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat berichtet, zukünftig verstärkt gewerbepolitische Aufgaben zu übernehmen. Im September kündigte die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) den Vertrag über die Durchführung des ärztlichen Notfalldienstes. Seit 1. November 1996 gab es das „Bahntaxi“: Zugreisende sollten in Sammelfahrten kostengünstig von und zu Bahnhöfen transportiert werden. Anfang 1997 meinte ein Münchner Kollege: „Ich fahre jetzt seit 30 Jahren und mir geht’s seit 30 Jahren gleichmäßig schlecht.“ Eine Wirtschaftsrezession führte zu miserablem Geschäft und langen Wartezeiten. In mehreren Fällen wurden Rufsäulen geöffnet und alle Kabel abgezwickt. Die Genossenschaft setzte eine Belohnung von 1.000 DM aus. Insgesamt gab es 110 Standplatztelefone mit rund 160 Anschlüssen. Wegen Mietausfällen und erhöhten Kosten entstand der Genossenschaft 1997 ein Jahresfehlbetrag von über 1 Mio. Mark. Die Vermittlungsgebühren mussten nach 9 Jahren um 27 % erhöht werden. Eine zweite Vermittlungszentrale entstand in München. Zum Schulbeginn 1997 erhielt die Genossenschaft den Zuschlag der Landeshauptstadt München für die Beförderung von Schülerinnen und Schülern.

Am 1. Januar 1998 trat im Taxiverkehr die bis heute unglückliche Kindersicherungspflicht in Kraft. Die Messe München GmbH nahm am 12. Februar 1998 den Betrieb am neuen Standort, dem ehemaligen Flughafengelände in Riem, auf. Unter Federführung von Hans Meißner konnte die Genossenschaft die Disposition und Durchführung von Personalfahrten für die Münchner Verkehrsbetriebe gewinnen. In der Generalversammlung vom 24. Juni 1998 kritisierten Mitglieder die zum Anfang des Jahres in Kraft getretene Bearbeitungsgebühr im bargeldlosen Zahlungsverkehr von 5 % brutto vom Fahrpreis.

Die Nutzungsverträge für die Bereitstellung von Taxis auf Bahngrund gingen ab dem 1. Januar 1999 auf die Münchner Genossenschaft über. Der Euroführerschein wurde bundesweit eingeführt. Wegen erheblicher Verzögerung bei der Ausgabe mussten viele Kollegen unfreiwillige Auszeiten nehmen. Das neue Dokument war Voraussetzung für die Verlängerung oder Erteilung einer Fahrerlaubnis zur Personenbeförderung. Im Münchner Stadtteil Neuperlach gab es Ende 1999 mehrere Diebstähle von Taxigeldtaschen. Die Täter lockten die Fahrer mit Anrufen an der Rufsäule aus dem Auto, griffen schnell zu und machten sich eilig davon. Das „Bahntaxi“ wurde wieder eingestellt. Kostendeckend wären zwei Fahrgäste pro Tour gewesen, was nur bei 30 % aller Beförderungen gelang.

Nach kurzer Krankheit verstarb am 5. März 2000 völlig unerwartet Josef Kuffer mit 82 Jahren. Das Taxigewerbe verabschiedete den am 15. Dezember 1917 geborenen Münchner mit einer riesigen Trauergemeinde. Für Fahrzeugwerbung wurden 100 DM plus Mehrwertsteuer geboten. Zur Erinnerung: 23 Jahre früher gab es 100 DM inklusive MwSt. Der Bayerische Landesverband unter Hans Meißner veranstaltete am 21. November 2000 einen „Taxi-Infotag“, der ganz der Einführung von bargeldlosen Zahlungen über das Mobiltelefon gewidmet war. Der Rohertrag der genossenschaftseigenen Tankstelle in der Engelhardstraße ging im Vergleich zum Vorjahr um 223.000 DM zurück.

Am 1. Januar 2001 trat eine neue Berufszugangsverordnung in Kraft, wesentliche Änderung war die Einführung der Fallstudie. Die Generalversammlung legte am 28. Juni 2001 das Eintrittsgeld auf 2.000 Euro fest, mit Wirkung ab dem Kalenderjahr 2002. Nachdem im Geschäftsjahr 2001 erneut erhebliche Verluste im Tankstellen- und Werkstattbereich auftraten, beschloss der Vorstand der Taxi-München eG am 17. Dezember 2001 diesen Geschäftsbereich endgültig aufzugeben.

Mit Einführung des Euro als Zahlungsmittel in 2002 gingen die Umsätze im Münchner Taxigewerbe schmerzhaft zurück. Der Einbruch war der stärkste Rückgang seit 25 Jahren. Allgemein stiegen in den ersten Monaten die Preise deutlich, mit Ausnahme der genossenschaftlichen Vermittlungsgebühren. Am 22. Februar 2002 gegen 23.30 Uhr wurde ein Münchner Kollege von zwei Fahrgästen besonders schwer mit einem Messer verletzt. Eine Anwohnerin nahm mit ihrem Bruder die Verfolgung auf und holte einen der Täter ein. Dieser rammte ihr das Messer in den Bauch, während der Bruder mit einer Schusswaffe in Schach gehalten wurde. Die Taxistiftung Deutschland, die Taxivereinigung und die Münchner Genossenschaft leisteten den Opfern nennenswerte finanzielle Unterstützung. Ab dem 1. März 2002 übernahm die Firma Helmut Glas in der Engelhardstraße den Wartungs- und Reparaturdienst sowie die Waschanlage in eigener Verantwortung. Wegen der schlechten Betriebsergebnisse fand sich kein Interessent für die Tankstelle, die geschlossen werden musste. Daraufhin wurde am 25. März 2002 eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, in der die Mehrheit den Weiterbetrieb der genossenschaftseigenen Tankstelle am Stammhaus forderte. Vom Aufsichtsrat wurde verlangt, das bisher für Werkstatt, Waschstraße und Tankstelle zuständige Vorstandsmitglied Kroiß hauptamtlich anzustellen. Zur Mitte des Jahres konnte die Genossenschaft unter Hans Meißner den Kampf um die Dialyseaufträge gewinnen. Auf der ordentlichen Generalversammlung vom 19. Juni 2002 wurde ein Gutachten vorgestellt, nach dem die Fortführung bzw. Wiedereröffnung des Tankstellenbetriebes wirtschaftlich nicht vertretbar sei. Über 600 Kollegen meldeten sich in wenigen Monaten für das von der Genossenschaft eingeführte „Seniorentaxi“ an, bei dem Fahrer vertraglich für das Verständnis und die notwendige Geduld bei Beförderungen von älteren oder kranken Mitbürgern verpflichtet wurden.

In der Landeshauptstadt wurden bis März 2003 fünf neuentwickelte Telefonrufsäulen installiert, die ausschließlich mit Solarenergie betrieben wurden. In der Taxizentrale der Taxi-München eG nahm die neue Vermittlungssoftware der Firma GefoS den Betrieb auf. Das erste vollautomatisierte Bestellsystem ging unter dem Begriff “Autobooking“ an den Start. Ab dem 29. Juni 2003 wurden die Taxistandplätze am Flughafen München von einem örtlichen Vermittler verwaltet. Neben weiteren Interessenten hatten sich auch die Genossenschaft und der bisherige Vertragspartner, die Taxivereinigung München, beworben. 1.924 Unternehmer betrieben 3.430 Konzessionen. Über 55 % der Fahrzeuge waren jünger als vier Jahre. Das älteste noch im Dienst stehende Taxi in München stammte von 1971. Am 10. und 11. Oktober 2003 führten 2.000 Beamte eine bundesweite Kontrollaktion im Taxigewerbe durch. In Bayern wurden 1.400 Angestellte bei über 1.070 Betrieben überprüft. In 30 Fällen (2,1 %) konnte Leistungsbetrug nachgewiesen werden.

Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband e.V. (BZP) beklagte die am 1. Januar 2004 in Kraft getretene Gesundheitsreform: „Jeder schiebt jedem den schwarzen Peter zu. Patienten und Schwerkranke bleiben gnadenlos auf der Strecke“, so BZP-Präsident Hans Meißner. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage musste die Genossenschaft ab 2004 die Nutzungsgebühren für ihre Leistungen erhöhen. Die Vermittlung an den Standplatztelefonen kostete nun 38 Euro pro Monat, für die Teilnahme am Funksprechverkehr wurden zusätzlich 40 Euro netto fällig. Im April 2004 implodierte der Fernseher eines Mieters in der Utzschneiderstraße. Die Fassade musste renoviert werden. Nach über 40 Jahren bekam das genossenschaftliche Mitteilungsorgan „Taxikurier“ ein neues Gewand. In der Generalversammlung vom 6. Juli 2004 schied Herr Max Herzinger altersbedingt aus dem Vorstand aus. Der sympathische Repräsentant des Gewerbes war 28 Jahre als Vorstandsmitglied für die Münchner Genossenschaft tätig gewesen. In Anerkennung seiner Dienste um das bayerische Genossenschaftswesen erhielt er die silberne Ehrennadel des Genossenschaftsverbandes. Goldene wurden laut Aussagen des Prüfverbandes nicht verteilt. Max Herzinger blieb der Taxi-München eG vorerst als Mitglied des Aufsichtsrates erhalten. Eine große Zeitung mit Bild bot am Isartorplatz jedem Taxifahrer 50 Euro für eine gestellte Schlägerei an. Geplante Schlagzeile: „Taxikrieg in München“. Die Kollegen lehnten verdutzt ab.

Tatsächlich rumorte es, aber nur hinter den Kulissen. Seit der letzten Generalversammlung gab es Streit um die rechtmäßige Wahl eines Aufsichtsratsmitgliedes. Am 30. Mai 2005 wurde in München die „Allianz-Arena“ eingeweiht. Nach dem Eröffnungsspiel hagelte es Kritik, da die Aufstellfläche für Taxis viel zu klein bemessen war. Ein Umstand, auf den die Vertreter des Münchner Taxigewerbes frühzeitig hingewiesen hatten. Als Präsident des Bundesverbandes konnte Herr Hans Meißner der Politik das Versprechen abringen, zur Fußballweltmeisterschaft 2006 keine weiteren Konzessionen auszugeben. Die Münchner Taxivereinigung geriet in Schieflage. Trotz weggebrochener Einnahmen aus dem Flughafengeschäft wurde dem neuen Vorsitzenden ein Gehalt von 1.000 Euro pro Monat bezahlt. In der Generalversammlung der Genossenschaft vom 06. Juli 2005 erhob das im Vorjahr gewählte Vorstandsmitglied Roithmeier massive Anschuldigungen gegen Herrn Meißner, ohne die Ergebnisse einer in Auftrag gegebenen Sonderprüfung abzuwarten. Es bestünde Verdacht auf Sozialversicherungsbetrug, Steuerhinterziehung, Veruntreuung und persönliche Vorteilnahme des geschäftsführenden Vorstandes. Der Genossenschaftsverband bestätigte ein laufendes Prüfverfahren, dessen Ergebnis nach erster Einschätzung aber keine wesentliche Auswirkung auf das Jahresergebnis haben konnte. Die Aufnahme des streitigen Aufsichtsratsmitgliedes in die Genossenschaft wurde von der Generalversammlung mit 95 % abgelehnt. Herr Kroiß schied aus dem Vorstand aus. Bei der folgenden Vorstandswahl erhielt keiner der vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen Kandidaten die Mehrheit. Die Position blieb unbesetzt. Eine außerordentliche Generalversammlung war auch notwendig, da der Aufsichtsrat am 12. Juli 2005 das Vorstandsmitglied Roithmeier mit Dreiviertelmehrheit und sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert hatte. Nach Einreichung einer Strafanzeige gegen den geschäftsführenden Vorstand und der Benachrichtigung der Presse darüber, war der Genossenschaft ein erheblicher Schaden in der Öffentlichkeit entstanden. Auch der Vorsitzende der Taxivereinigung reichte eine Klage gegen die Genossenschaft ein, wonach Vorstand und Aufsichtsrat nicht ordentlich besetzt und die Verwaltung nicht arbeitsfähig sei. Die Taxi-München eG kündigte daraufhin das genossenschaftseigene Ladengeschäft in der Corneliusstraße, das der Taxivereinigung seit Jahren für ortsunübliches, geringes Entgelt zur Verfügung gestellt worden war.

Kurz nach dem Oktoberfest sollten wie „Beim Schichtl“ die Köpfe rollen. Die außerordentliche Generalversammlung vom 6. Oktober 2005 war mit 440 Mitgliedern gut besucht. Der Genossenschaftsverband berichtete über das Ergebnis der abgeschlossenen Sonderprüfung: In mehreren Fällen waren Mitarbeiter der Taxi-München eG nicht ordnungsgemäß angemeldet. Nachzuzahlen wären zwischen 5.000 und 8.000 Euro, bei Gesamtabgaben an Sozialbeiträgen in Höhe von knapp 400.000 Euro, jeweils pro Jahr. Hinweise auf Steuerverkürzung, Veruntreuung oder Bereicherung des geschäftsführenden Vorstands wurden nicht festgestellt. In der folgenden Beschlussfassung über die Amtsenthebung des Vorstandsmitgliedes Roithmeier sprachen sich 257 Mitglieder dafür und 176 dagegen aus. Als nächster Tagesordnungspunkt stand die von der Gegenfraktion beantragte Abwahl von Herrn Hans Meißner an. Von 421 abgegebenen und gültigen Stimmen stimmten 141 Mitglieder für den Antrag. Mit 280 Gegenstimmen wurde das Ansinnen von der Generalversammlung deutlich abgelehnt. Ein Antrag auf Abwahl von mehreren Aufsichtsratsmitgliedern fand ebenfalls nur geringen Zuspruch. In dieser Generalversammlung wurde der zwischenzeitlich ausgeschiedene Herr Reinhard Zielinski wieder in den Aufsichtsrat gewählt. Trotz hochbrisanter Versammlung und fortgeschrittener Stunde nahmen noch über 100 Mitglieder an der Vorstellung des geplanten Datenfunksystems teil. Die Präsentation von Herrn Naumann, Geschäftsführer von GefoS, wurde äußerst positiv aufgenommen.

Die Zunahme der Landtaxi-Konzessionen bereitete 2006 nicht nur am Flughafen zunehmend Probleme. In der Nacht von 4. auf 5. März 2006 fielen in München innerhalb weniger Stunden 40 cm Neuschnee. Straßenbahnen sprangen aus den Gleisen, Omnibusse fuhren nicht mehr und auch der S-Bahn-Verkehr musste wegen umgestürzter Bäume eingestellt werden. Taxifahrer waren einer Streifenwagenbesatzung beim Anschieben am Sendlinger Berg behilflich. Der Bayerische Landesverband feierte sein 60-jähriges Bestehen. Die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland war sportlich ein Erfolg, in München blieben die erhofften Umsätze deutlich hinter den Erwartungen. In der turbulenten Generalversammlung vom 20. Juli 2006 standen die hohen Kosten des neuen Taxikuriers zur Diskussion. Neben gerechtfertigter Kritik gab es auch viele unsachliche Beiträge, teilweise unter der Gürtellinie, die die Genossenschaft im Gesamten und besonders den geschäftsführenden Vorstand Hans Meißner zum Ziel hatten. Durch Wahlabsprachen konnten neue Mitglieder im Aufsichtsrat installiert werden. Im Herbst 2006 urteilte das OLG München, dass im Mietwagenverkehr keine Sammelfahrten durchgeführt werden dürfen. Das neue Datenfunksystem der Taxi-München eG lief im Probebetrieb in mehr als 30 Fahrzeugen äußerst zufriedenstellend.

Das Jahr 2007 begann mit einer kontroversen Entscheidung. Nachdem Herr Meißner seinen Einspruch zurückgezogen hatte, wurde ein gegen ihn gerichtetes Urteil des Landesgerichts München rechtskräftig. Daraufhin beschloss der wenige Monate zuvor gewählte Aufsichtsrat am 24. Januar 2007 die vorläufige Amtsenthebung des geschäftsführenden Vorstandes, mit einer hauchdünnen Mehrheit von 5 zu 4 Stimmen. Die Sitzung dauert über 11 Stunden und endete um 22.30 Uhr. Am nächsten Morgen waren Informationen über den Sitzungsverlauf in der Süddeutschen Zeitung nachzulesen, verbunden mit dem Hinweis: „Bei Redaktionsschluss noch kein Ergebnis bekannt.“ Am 13. März 2007 sollte die dafür zuständige Generalversammlung über die weitreichende Entscheidung des Aufsichtsrates urteilen. Auf dem Gehweg vor dem „Augustiner Keller“ standen noch über 150 Mitglieder, als die Veranstaltung wegen Überfüllung abgebrochen werden musste. Um Schaden vom Bundesverband fernzuhalten, trat Hans Meißner am 17. April 2007 als Präsident des BZP zurück. In der zweiten außerordentlichen Generalversammlung der Taxi-München eG vom 19. April 2007 war das Ergebnis eindeutig: 486 Mitglieder (73,5 %) stimmten im „Löwenbräukeller“ gegen die Amtsenthebung von Herrn Hans Meißner, bei 660 gültigen Stimmen. Die beantragte Abwahl des gesamten Aufsichtsrates wurde mit 79,2 % der Stimmen begrüßt. Durch eine Neukonstitution sollte die Genossenschaft wieder in ruhiges Fahrwasser geführt werden. Am 8. Mai 2007 entschied der BGH über die Klage eines Münchner Unternehmers, der ohne Mitgliedschaft an den Leistungen der Genossenschaft teilnehmen wollte. Das Gericht bestätigte die Vorgehensweise der Münchner Taxigenossenschaft und das für eine Mitgliedschaft notwendige Eintrittsgeld. Wenige Monate später hatte sich der geschäftsführende Vorstand in der ordentlichen Generalversammlung vom 11. Juli 2007 erneut dem Votum der Mitglieder zu stellen. Turnusgemäß schied Herr Hans Meißner aus dem Vorstand aus und wurde mit 299 Stimmen bei drei Gegenstimmen auf die Dauer von 4 Jahren wiedergewählt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Genossenschaft, Herr Reinhard Zielinski, wechselte in den Vorstand. Bei der anschließenden Nachwahl wurde Herr Frank Kuhle in den Aufsichtsrat gewählt. Seit dem 1. September 2007 gilt ein absolutes Rauchverbot in bundesdeutschen Taxis und Mietwagen.

Die Probephase des Datenfunks endete. Seit dem 1. Juli 2008 wurden alle Serienfahrten nur noch über das neue System vermittelt. Gleichzeitig sank bei der Taxi-München eG die Bearbeitungsgebühr für bargeldlose Fahrten auf 4 % brutto. In der Generalversammlung vom 16. Juli 2008 beschlossen die Mitglieder eine Satzungsänderung, mit der Wahlabsprachen erschwert wurden.2008 konnten 1,65 Mio. Fahrtaufträge über die Zentrale und etwa 3 Mio. über die Standplatztelefone vermittelt werden.

Am 4. Februar 2009 nahm am Harras die erste Rufsäule der neuesten Generation den Betrieb auf. Wie beim Vorgängermodell wurde der Betriebsstrom aus Sonnenenergie gewonnen, wegen der installierten Mobilfunktechnik gab es keine erdgebundenen Telefonleitungen mehr. Rufsäulen konnten nun zeitnah versetzt werden. Die Taxi-München eG investierte rund 1,3 Mio. Euro in das System. Ab dem 1. Mai 2009 übernahmen Genossenschaftstaxis probeweise die Beförderung von Fahrgästen bei Störungen im Straßenbahnverkehr (SEV). In der ordentlichen Generalversammlung vom 14. Juli 2009 kündigte der geschäftsführende Vorstand Hans Meißner sein Ausscheiden zum März des folgenden Jahres an. Er wünschte der Genossenschaft weiterhin wirtschaftliche Stabilität und Erfolg. Herr Frank Kuhle wurde in den Vorstand gewählt. Die Mitglieder beschlossen mit deutlicher Mehrheit den Verzicht auf Werbung außerhalb der seitlichen Fahrzeugtüren, mit Wirkung ab 30. Juni 2010. Hintergrund waren die aufkommenden Dachwerbeträger, die verächtlich als Dachpappen bezeichnet wurden. Der Datenfunk eliminierte den berüchtigten Flaschenhals bei der Vergabe von Fahrtaufträgen. Die Vermittlungszahlen stiegen. Die Leuchtwerbung am Stammhaus in der Engelhardstraße wurde mit LED-Lampen ausgerüstet. Pro Jahr 80 % Stromkosten und 4 Tonnen CO2 weniger. Nach einer Terrordrohung richteten die Sicherheitsbehörden eine Sperrzone um das Münchner Oktoberfest ein. Zu Beginn der zweiten Wiesnwoche waren alle Taxistände rund um die Wiesn aufgelöst. Im letzten Quartal 2009 nahmen rund 2.500 Fahrzeuge am Datenfunk der Genossenschaft teil. Erste Probleme mit dem Netzbetreiber tauchten auf. Am 19. November 2009 legte der Vorsitzende Hans Meißner sein Amt im Bayerischen Landesverband nach 32-jähriger Tätigkeit nieder. Zuvor reichte er noch eine Strafanzeige gegen einen BRK–Kreisverband ein, der ein Fahrzeug ohne Genehmigung für eine Fahrt nach Trier einsetzte. Seine Nachfolge trat Herr Frank Kuhle an. Einstimmig ernannte die Versammlung Herrn Hans Meißner zum Ehrenvorsitzenden des Landesverbandes und dankte ihm die Verdienste für das Gewerbe mit lang anhaltendem Applaus und einer kompletten Ausrüstung zur Kaminholzgewinnung, um ihm im bevorstehenden Ruhestand Müßiggang zu ersparen.

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2010 - 2017 Das digitale Zeitalter

2010 - 2017 Das digitale Zeitalter

Anfang 2010 brachte die Taxivereinigung München eine Neuauflage des Wo-Buches heraus, das auf Grund der inzwischen verbreiteten Navigationsgeräte zum Ladenhüter wurde. Eine vermeintliche Innovation für das Taxigewerbe, aufblasbare Kindersitze, erleidet das gleiche Schicksal bei der Genossenschaft. Nach einem Jahr Probezeit wurde der Schienenersatzverkehr (SEV) zum 1. Mai 2010 in den Regelbetrieb überführt. Die Taxi-München eG richtete abgesicherte Internetzugänge für Mitglieder und Fahrer ein, mit denen viele Arbeiten von zu Hause aus erledigt werden konnten. In Zusammenarbeit mit dem Systemausrüster GefoS ging im Mai 2010 die Bestell-App „DEIN TAXI“ an den Start. In der Generalversammlung vom 13. Juli 2010 wurde der im März ausgeschiedene Herr Hans Meißner zum Ehrenvorsitzenden der Taxi-München eG ernannt. Der Genossenschaftsverband verlieh ihm die silberne Ehrennadel. Goldene Abzeichen gab es immer noch nicht. Die Umrüstung des Rufsäulensystems auf die neueste Generation wurde im August abgeschlossen. Der Ausrüster des Vorgängersystems drängte auf Erfüllung des laufenden Vertrages über Wartung und Reparatur. Aus ungeklärter Ursache gab es beim letzten noch in Betrieb befindlichen Rufsäulenmodell „Pilz“ eine kleine technische Störung, die der Wartungsdienst auf Grund mangelnden Fachwissens nicht beheben konnte. Die Taxi-München eG wurde um Reparatur gebeten, der Wartungsvertrag kurz darauf beendet. Im letzten Quartal des Jahres führte der Vorstand Renovierungsmaßnahmen am Vordergebäude und bei den Zufahrten zum Anwesen Engelhardstraße durch. Das Erscheinungsbild der Genossenschaft am Stammhaus wurde verbessert. Gewerbepolitisch konnte in 2010 der erneute Versuch der Farbfreigabe für Taxis in Bayern verhindert werden. Auch die Pläne zum Einsatz von Fahrzeugen mit nur einem Fahrgastsitzplatz oder für unterschiedliche Tarife je nach Fahrzeuggröße blieben nur auf dem Papier geschrieben.

In der Jahreshauptversammlung des Landesverbandes vom 19. Mai 2011 beschlossen die Mitglieder auf Anraten des Vorsitzenden Kuhle einstimmig, den Vertrag mit den Ersatzkassen zum Jahresende zu kündigen. Vorausgegangen waren Verhandlungen über die Vergütung der Krankenbeförderungen mit einem für die Mitglieder unwirtschaftlichen Angebot. Seit Juni 2011 konnten Taxibestellung über die eigene App der Taxi-München eG vorgenommen werden. Max Herzinger erklärte in der Generalversammlung vom 13. Juli 2011 seinen endgültigen Abschied von allen gewerblichen Aufgaben. Der gebürtige Sollner war insgesamt 38 Jahren für die Genossenschaft tätig, davon im Aufsichtsrat von 1973 bis 1976 und von 2004 bis 2011 sowie im Vorstand in den Jahren 1976 bis 2004. Die Versammlung verabschiedete ihn mit minutenlangen Ovationen und ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden der Genossenschaft. In der Engelhardstraße konnten die Leistungen mit dem Angebot von verkehrsmedizinischen Untersuchungen ausgeweitet werden. In Zusammenarbeit mit dem ADAC wurde in München das Umwelttaxi eingeführt. Zum 31. Oktober 2011 gab es in der Landeshauptstadt 636.900 gemeldete Personenkraftwagen. Die Mitglieder des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes wählten Herrn Frank Kuhle am 10. November 2011 in den Vorstand des BZP.

Zum Jahreswechsel auf 2012 fand der Umzug der genossenschaftseigenen Taxischule in größere und hellere Räume im Vordergebäude statt. Im Mai trat die Taxi-München eG einem wirtschaftlichen Zusammenschluss der deutschen Taxizentralen bei, der Taxi Deutschland Servicegenossenschaft mit Sitz in Frankfurt. Das für die Finanzmittel zuständige Vorstandsmitglied Reinhard Zielinski konnte in der Generalversammlung vom 11. Juli 2012 von einer weiteren Steigerung der Eigenkapitalquote und Ertragslage der Genossenschaft berichten, trotz erhöhter Ausgaben für Betriebsausstattung und Werbung. Im August 2012 wurde eine neue Telefonanlage der Firma GefoS installiert. Zuvor musste die gesamte Netzwerktechnik im Verwaltungsgebäude der Genossenschaft auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden. Neben den technischen Anforderungen erneuerte der Vorstand seit 2010 schrittweise die Arbeitsplätze und Büroräume der Mitarbeiter. Im November 2012 gab es ein Jubiläum der besonderen Art: Die Taxi-München eG begrüßte mit Frau Haas das 10.000 Mitglied. Ende des Jahres waren 3.001 Taxis bei der Genossenschaft angeschlossen, davon 1.261 Mitglieder mit einem Fahrzeug und 297 Mehrwagenbetriebe. Die Kosten für das hauseigene Magazin „Taxikurier“ stiegen deutlich an.

Im Februar 2013 musste das veraltete Stromnetz am Stammsitz erneuert werden. Die Ausweitung des Geschäftsbetriebes und eine Aufstockung der Kapazitäten machten die Maßnahme notwendig. Seit Mai gab es Heimarbeitsplätze für Mitarbeiter der Telefonzentrale. Das genossenschaftseigene Rufsäulensystem wurde ab Jahresmitte gegen unberechtigte Nutzung von Trittbrettfahrern gesichert. Nun sollte wieder einmal an den Stühlen gesägt werden. In der Generalversammlung vom 10. Juli 2013 versuchte der Aufsichtsrat die Wiederwahl von Herrn Reinhard Zielinski zu verhindern, der seit 2007 im Vorstand der Genossenschaft tätig war. Die vorgetragenen Gründe waren für die Mitglieder nicht nachvollziehbar. Die turbulente Versammlung mit vielen Redebeiträgen endete mit der Wahl des bisherigen Vorstandsmitgliedes Zielinski, der von der Versammlung mit 248 der 262 anwesenden Stimmen bestätigt wurde. Ab dem 2. Halbjahr 2013 wurde in München ein neues, vom Taxameterhersteller Hale entwickeltes Datenfunkgerät getestet. Das System entstand in enger Zusammenarbeit mit Taxizentralen aus Hamburg, Frankfurt und München. Bundesweit waren seit 1985 insgesamt 84 Kolleginnen und Kollegen ermordet und über 9.200 bei Überfällen und Tätlichkeiten verletzt worden. Das deutsche Taxigewerbe forderte den Einsatz von Überfallschutzkameras in den Fahrzeugen, was aber von den Datenschutzbehörden in fast allen Bundesländern verhindert wurde.

Das durch Immobilien-, Banken- und Eurokrise freigewordene Kapital suchte sich neue Wege. Internationale Konzerne und Investorengruppen drängten 2014 verstärkt in den Personenbeförderungsmarkt. Das deutsche Taxigewerbe reagierte und schuf eine Schnittstelle zu den unterschiedlichen Vermittlungssystemen. Die Taxi-München eG schloss sich der App „Taxi Deutschland“ an, eine bundesweite Bestellsoftware, die alle Annehmlichkeiten einer örtlichen Taxizentrale bot. Das Datenfunkgerät TT-01 der Genossenschaft wurde mit einer Navigationssoftware erweitert. Wegen anhaltender Netzausfälle beschloss die Geschäftsführung im Juni 2014 alle 2.500 Datenfunkkarten auszutauschen. Der Vorstand unter Herrn Frank Kuhle übernahm mit der Augustausgabe des Taxikuriers die Objektleitung sowie die Anzeigenverwaltung des hauseigenen Monatsmagazins. Weitere automatische Buchungssysteme, wie ein sprachgesteuertes Bestellmodul, wurden im September eingeführt, ebenso wie der elektronische Brief- und Rechnungsversand. Seit dem 30. November 2014 mussten sich Taxifahrer während der Beförderung von Fahrgästen anschnallen und der langjährige Dienstellenleiter Alfred Huber hatte seinen letzten Arbeitstag. Er war 42 Jahre für die Münchner Genossenschaft tätig gewesen und trat im Dezember 2014 seinen verdienten Ruhestand an.

Zum Beginn des Jahres 2015 trat der gesetzliche Mindestlohn in Kraft. DTA wurde in Bayern als letztem Bundesland eingeführt, der elektronische Datenträgeraustausch mit den Krankenkassen. Die Genossenschaft erweiterte das Datenfunkgerät durch neue Kartenterminals, mit denen erstmals auch die Annahme von Girokarten möglich wurde. Am 31. März 2015 wütete das Sturmtief Niklas in Deutschland. Der Orkan schleuderte ein 50 Quadratmeter großes Stück Kupferdach vom Gebäude Engelhardstraße 6 auf parkende Autos. Der 1,5-millionste Bürger wurde am 8. Mai in München geboren. Im Juli 2015 begehrten der Landesverband und die Taxi-München eG gegen die Verlegung der Münchner Eichdienststelle auf. Ein Treffen im Bayerischen Wirtschaftsministerium wurde anberaumt. Die Genossenschaftsmitglieder beschlossen am 29. Juli 2015 mehrere Satzungsänderungen, die vielfach wegen Wegfall oder Neufassung von Gesetzen und Verordnungen der letzten 40 Jahren notwendig wurden. Zum Oktoberfest 2015 fiel in München ein Hamburger Taxi auf. Mit Hilfe der Taxizentrale konnte das Fahrzeug, inzwischen mit Münchner Kennzeichen, nach mehreren Versuchen von der Polizei gestoppt werden. Der Täter hatte Fahrzeug und Kennzeichen gestohlen, einen Unfall verursacht und keinen Führerschein. In seinem Hotelzimmer befanden sich größere Drogen- und Bargeldmittel. Mehrere Kollegen erhielten Auszeichnungen vom Münchner Polizeipräsidium, da sie Enkeltrickbetrugsfälle verhindern konnten. Die Münchner Genossenschaft begann den Verein „Weißer Ring“ zu unterstützen.

Am 18. Januar 2016 wurde eine Beteiligungsgesellschaft zusammen mit der Frankfurter Taxigenossenschaft gegründet, die die Mehrheit an GefoS übernahm. Die Taxi-München eG arbeitete seit 25 Jahren mit dem Softwarehaus zusammen. Das Datenfunkgerät der Genossenschaft wurde mit der nächsten Ausbaustufe erweitert, einem Ersatz für den antiquierten Sprechfunk. Ab dem 21. Juli 2016 erhielten Kunden SMS über die Fahrzeugankunft. Seit September konnten die Verkehrsdienstleistungen von den Fahrgästen über Smartphone bewertet werden. Die gewerbepolitischen Verbände widersprachen einstimmig der Monopolkommission, die auf behördliche Tarife im Verkehr mit Taxis verzichten wollte. Der „Fiskaltaxameter“, den es noch gar nicht gab, wurde im Oktober 2016 zur Pflicht. Es durften nur noch Eichgeräte mit nicht rückstellbaren Zählwerken in den Verkehr gebracht werden. Die Genossenschaft gewann mehrere Klagen gegen private Beförderer, der BGH stimmte auch einer gleichlautenden Klage der Taxi Deutschland Servicegenossenschaft grundsätzlich zu. Wegen der Umtriebe gewerbefremder Vermittler sanken 2016 die Auftragszahlen bei der Münchner Taxizentrale um 2,7 %. Zum 31.12.2016 waren 2.890 Taxis bei der Genossenschaft angeschlossen.

Ab dem 1. Januar 2017 wurden die Bearbeitungsgebühren für den bargeldlosen Zahlungsverkehr bei der Taxi-München eG um rund 10 % gesenkt. Die Beiträge für die Auftragsvermittlung blieben seit 13 Jahren unverändert niedrig. Im April verhinderten die Landesverbände der bayerischen Personenbeförderer und des Transportgewerbes die schlimmsten Auswirkungen einer österreichischen Gesetzesänderung im grenzüberschreitenden Verkehr. Mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 startete der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband die Aufklärungskampagne „Verlässlich ist modern“. Ohne jegliche Anhörung kippte das Bundesverkehrsministerium am 23. August 2017 die seit 1969 geltende Ortskundeprüfung für Mietwagenfahrer und ein neues Versicherungsgesetz machte dem von Zunftgenossen vor 267 Jahren gegründeten „Krankenunterstützungs- und Sterbeverein der Lohnkutschergehilfen“ den Garaus. Ab dem 1. September 2017 wurde von der Stadt München der Betrieb von Elektro-Taxis gefördert. Vor der Bundestagswahl überschlugen sich angeblich neue Ideen rund um den Personenbeförderungsmarkt. Für das Taxigewerbe waren die Vorschläge in Bezug auf Elektromobilität, Sammelverkehre oder Digitalisierung aber nicht neu. Wie ein Blick in diese Chronik hätte zeigen können. Am 7. November 2017 hatte die Taxi-München eG ihren 100. Geburtstag.

Zum Zeitpunkt der Niederlegung blicken manche mit sehr gemischten Gefühlen in die Zukunft. Vermittler drängen in großer Zahl auf den Markt, neue Mobilitätskonzepte werden wie am Fließband erfunden und Dieselfahrverbote schweben über den Köpfen der Verkehrsunternehmer. Seit 2010 setzt sich der Vorstand der Münchner Taxigenossenschaft unverändert aus den Herren Frank Kuhle, Reinhard Zielinski und Alfons Haller zusammen. Gemeinsam wurden und werden die Aufgaben des digitalen Zeitalters in Angriff genommen. Künftige Vorstandsmitglieder werden sich anderen Herausforderungen stellen müssen. An dieser Stelle wollen wir allen nachfolgenden Generationen viel Glück und Erfolg wünschen und dürfen daran erinnern, dass die Zeiten im Münchner Taxigewerbe niemals einfach waren, wie dem vorliegenden Bericht zu entnehmen ist.

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Bundesweite Taxi-App